Österreich im Image-Tief oder Inzest-Drama mit Folgen



Wow!! Es rauscht gewaltig im Blätterwald. Viele internationale Medien haben einen neuen Prügelknaben entdeckt - unser Heimatland Österreich.
"Was ist los mit Österreich?" oder "Österreich, ein Bergland mit unterentwickelter Sozialkompetenz" - so titeln Auslandsmedien und konstruieren rund um das abscheuliche Verbrechen in Amstetten ein Bild des ganzen Landes, welches seinesgleichen sucht. Ähnlich wie Belgien nach Dutroux bekommen wir nun die volle Breitseite ab, einen kleinen Teil der Schlagzeilen könnt ihr hier auf orf.at nachlesen.
Besonders bezeichnend finde ich, dass gerade Polen sich darüber entrüstet, dass "in Österreich solch Bestien geboren" werden - hat doch gerade Polen artig den Amerikanern Platz und Raum zur Verfügung gestellt, um auf polnischem Staatsgebiet in CIA-Gefängnissen Menschen foltern zu lassen. Aber man denkt halt nicht gern an die eigenen Verfehlungen, macht doch weit mehr Spaß, auf andere einzutreten.
Der britische "Guardian" schafft es gar, eine Brücke vom Inzestfall in Amstetten zum Holocaust zu schlagen. Sieht man sich an, was in England so abgeht, kann man nur den Kopf schütteln. Angesichts der Ereignisse in einem Kinderheim auf der Kanalinsel Jersey könnte man wohl weit perveresere Rückschlüsse auf die Briten ziehen, als durch Fritzl auf Österreich.
Auch die Kommentare der Leser in diversen Foren zeigen, dass das Stimmvieh die Meinung der Auslandspresse teils uneingeschränkt übernimmt.

Menschen die mich kennen wissen auch, dass es mir manchmal sehr schwer fällt, Patriotismus zu empfinden. Diesmal jedoch muß man zweifelsfrei eine Lanze für Österreich brechen. An sich wäre dies die Aufgabe der heimischen Presse. Diese ist sich ihrer Rolle als Stimmungsmacher aber nur begrenzt bewusst.
Während die "Presse" und der "Standard" in gewohnter Manier nüchterne, sachliche Artikel veröffentlichen, sind sich die Fellners mit ihrem letztklassigen Papierverschwender "Österreich" ihrer Verantwortung wohl so gar nicht bewusst - und so titelt man heiter mit reißerischen Schlagzeilen, die der Feder eines Pflichtschülers entstammen könnten. Mittlerweile hat man in der Redaktion von "Österreich" wenigstens schon die Rechtschreibprüfung entdeckt und so sind die dummdreisten Artikel immerhin in fehlerfreiem Deutsch publiziert. Dass man als österreichisches Medium von der Auslandspresse zitiert wird, hat sich bis in die Büros des Fellnerschen Heftchens offensichtlich noch nicht herumgesprochen - und so trägt man munter dazu bei, Österreich (das Land) noch weiter in den Dreck zu ziehen, anstatt dem gegenzusteuern. Ob die Fellners wohl wissen, dass man zur Herstellung von einem Kilo Papier 750 Liter Wasser benötigt? Sie sollten zum Umweltschutz beitragen und den Druck ihrer "Zeitung" endlich einstellen, dann könnte man wenigstens etwas gutes in diesem Format erkennen.
Ähnliches kann man in der "Krone" verfolgen. Dort hat man es zur Kunstform erhoben, die immergleichen Informationen umzuformulieren und daraus neue Artikel zu konstruieren. Aber sachlich berichten? Gegensteuern? Aufklären? Mitnichten. In keinem der beiden Blätter wurde bis dato erwähnt, dass es sich nicht um 2 Verbrechen binnen 2 Jahren handelt - sondern um 2 Verbrechen binnen 24 Jahren, welche in den letzten beiden Jahren aufgedeckt wurden. Trotz aller Dramatik ist das ein relativ guter Schnitt.
Sieht man in die USA(wo die Medien sich übrigens in Zurückhaltung üben und dankenswerterweise nicht von den Verbrechen auf Österreich schließen), oder nach England, wo 11jährige sich gegenseitig umbringen, oder in die Vororte von Paris, oder nach Südamerika, oder nach Kapstadt, oder, oder, oder - so kommt man drauf, dass Österreich hinsichtlich der Verbrechensrate ein gesegnetes Land ist, in dem die Einwohner relativ normal ticken.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei den vielen Deutschen, die in diversen Foren umgehend einschreiten, wenn einer ihrer Landsmänner Österreichbashing a la "der Hitler war ja auch aus Österreich, was erwartet man von denen?" betreibt. Deutschland musste ja von der internationalen Presse auch ein paar Ohrfeigen einstecken, nachdem Armin Meiwes einen Menschen verspeiste. Wie auch immer, liebe Mitmenschen. Österreicher sind nicht mehr oder weniger kriminell, asozial, whatever als andere Völker. Von den Verbrechern Fritzl oder Priklopil auf alle Österreicher zu schließen, ist vor allem eines: strohdumm. Erspart euch die Volksverhetzung und kehrt mal den Dreck vor der eigenen Tür.


2 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

Die Hatz auf euer Land geht irgendwann zu Ende.
D musste schon für so vieles herhalten und wir habens ausgestanden.
Es gibt Gottlob keinen Sender bei uns,der auch nur annähernd über euer Land herzieht,es gibt nämlich keinen Grund dazu.
"Heult" bitte nicht,auch wenn ihr gerade sehr grosse Schmerzen empfindet.

Anonym hat gesagt…

Na hoffentlich werden sich unsere österreichischen Sender und Printmedien dafür revaunchieren, wenn Deutschland mal wieder von der internationalen Presse zerrissen wird.
Ich denke man sollte ohnehin nicht überbewerten, was die Medien verbreiten. Die Mehrheit der Bevölkerung ist mündig genug, von solchen Ereignissen nicht auf ein ganzes Land zu schließen. D und A haben mehr gemeinsam, als man glauben möchte. Die Vergangenheit haben wir ohnehin gemeinsam zu tragen, auch wenn wir sie gern hin und her schieben ;-)

 
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