Videoüberwachung an Österreichs Schulen



Schon am frühen Morgen hatte ich heute eine Diskussion mit einer lieben Freundin zum Thema Videoüberwachung an Österreichs Schulen. Wieder ein Thema, welches polarisiert. Wieder ein Schritt Richtung Überwachungsstaat.
Wieder ein Thema, bei dem es in Diskussionen beinahe ausschließlich "Pro" oder "Kontra" gibt. Was fehlt, ist einmal mehr der Dialog, Information und Diskussion mit den Betroffenen - nämlich Schülern und Eltern.
Wer öfter mal hier vorbeischaut, kennt meine Einstellung zum Überwachungsstaat. Diesmal allerdings bin ich der Meinung, man sollte dieses Thema nicht von vornherein rigoros verweigern, weil es so sehr nach "Überwachung" klingt. Es gibt gute Argumente "für" und gute Argumente "gegen" die Installation von Kameras an österreichischen Schulen.
Fakt ist meines Erachtens: Es gibt Handlungsbedarf. Die Gewalttaten an Schulen steigen seit Jahren kontinuierlich, die Hemmschwelle sinkt parallel dazu. Diebstähle von Objekten der Begehrlichkeit wie z.B. Handys oder Mp3-Player stehen an den Schulen an der Tagesordnung - und mal ehrlich: wer will sein Kind nicht davor beschützen, Opfer eines Verbrechens an der Schule zu werden? Natürlich gab es schon immer Raufereien, allerdings nicht in dem Gewaltmaß, wie es heute teils ausgeübt wird. Videos von Schlägereien auf YouTube hochzuladen, ist beinahe schon eine Sportart geworden - "Happy Slapping" wird das genannt. In den USA haben gerade eben 6 Mädchen und 2 Jungs eine 16jährige in das Haus einer "Freundin" gelockt, um sie dort vor laufender Kamera aufs übelste zu verprügeln - mit dem Ziel, auf YouTube "Ruhm" zu erlangen. Ist ihnen gelungen, die hirn/charakterlosen Teenies wurden verhaftet und sämtliche Medien haben ihre Mugshots präsentiert - denke mal sie haben sich die Sache mit dem Ruhm anders vorgestellt.

Nun gut, was spricht gegen eine Überwachung an Österreichs Schulen? Viele Kritiker meinen, die Kinder würden sich so schon sehr früh an den Überwachungsstaat gewöhnen. Das sehe ich anders. Es ist Aufgabe der Eltern, ihre Kinder für derlei Dinge zu sensibilisieren. Kameras sind heute allgegenwärtig. An Bahnhöfen, in der U-Bahn, in Bussen, Straßenbahnen, an öffentlichen Plätzen, Banken, Krankenhäusern, vielen Hauseingängen, etc. Es ist also OHNEHIN Aufgabe der Eltern, ihre Kinder darauf hinzuweisen und zu denkenden Menschen zu erziehen. Die Tatsache, dass man mittels Kameras präventiv gegen Verbrechen an den Schulen vorgehen will, ändert da nichts daran - weder zum Guten, noch zum Schlechten. Würde man Seitens der Schulen den Dialog mit den Eltern suchen, um gemeinsam mit ihnen eine Lösung zu finden, würde die Sache vermutlich anders aussehen. Ich für meinen Teil halte die Videoüberwachung an Brennpunkten durchaus für sinnvoll - SOFERN sie nicht gegen die Rechte der Kinder verstößt. Sofern die Daten nicht mißbraucht werden - weder Seitens der Schule noch von den Behörden.
Hier Vertrauen in die Österreichischen Behörden zu fassen, ist denkbar schwer. SPG-Novelle, Überwachungswahn und das Bestimmen über unsere Köpfe hinweg hat ein Klima zwischen Politik und Bürger geschaffen, welches es beinahe unmöglich macht, objektiv zu diskutieren. Vermutlich brauchen wir uns darüber auch nicht die Köpfe zerbrechen, denn auch die Überwachung an den Schulen wird man früher oder später umsetzen, egal ob uns das passt, oder nicht.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf folgendes aufmerksam machen:
Die Piratenpartei Österreichs veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Grünen Jugend eine Demonstration gegen die Videoüberwachung an Schulen. Treffpunkt: 22.04.08, 16:00 Uhr vor dem Palais Epstein (alter Stadtschulrat), Doktor-Karl-Renner-Ring 1, 1010 Wien (U3 Station "Volkstheater") Anschließend Demonstrationszug über das Unterrichtsministerium zum Stadtschulrat (Wipplingerstraße 28).

Weitere Infos bekommt ihr bei den Piraten


5 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

schick mir ein foto von dir.. ;)

Anonym hat gesagt…

Hallo!
Ich bin ganz deiner Meinung. Videoüberwachung ist "Okay", solange es nicht gegen die Rechte der Kinder verstößt. Man könnte aber auch Videokamera-Atrappen aufhängen-das schreckt schon viele davon ab Unfug zu treiben...
Aber trotzdem finde ich das bei Videoüberwachung an einer Schule, die Kameras nur nach Unterrichtsschluss laufen sollten, denn wenn ich ein Kind wäre (bin schon 31!) würde ich es nicht so toll finden, wenn ich während der Pausen auf dem Schulhof gefilmt werden würde. Außerdem sollten bei der Videoüberwachung an Schulen nur bestimmte Personen die Aufnahmen sehen dürfen, dass heißt nicht alle Lehrer. Sondern im schlimmsten Fall die Polizei, der Schulleiter und vielleicht der Hausmeister. Denn ich denke der Schulleiter sollte wissen, was in seiner Schule vorgeht und der Hausmeister vielleicht auch.

Ganz Liebe Grüße,
Michaela

Anonym hat gesagt…

Ich bin auch deiner Meinung und sehe das genauso! Da ich selber noch zur Schule gehe fände ich das wirklich nicht so toll wenn man mich z.B. beim Essen filmen würde oder so... ;)
Außerdem wollte ich mich bei dir und deinen Argumenten bedanken, die in deinem Text enthalten sind! =) Die helfen mir viel bei meiner Argumentation " Videoüberwachung an Schulen? "

Nochmal Dankeschön!
MfG
svdts ;)

Anonym hat gesagt…

gut geschrieben und sehr aufschlussreich
"Daumen hoch"

Anonym hat gesagt…

Ich finde Videoüberwachung nicht ok. Sie würden den Schülern zwar ein erhöhtes Sicherheitsgefühl geben, aber wenn man mehr darüber nach denkt kommt man zu dem Schluss das man mit Videoüberwachung nicht sehr weit kommen wird. Kameras sind nur Passiv da, sie filmen das Geschehen aber können nicht eingreifen wie Lehrer. Man kann in einer Schule nicht alle Orte überwachen, Beispielsweise die Umkleidekabine (für Sport) oder die Toiletten, und dies wären dann die Orte an denen es sehr viel Gewalt geben würde. Außerdem gibt es immer jemanden der das Videomaterial für anderes benutzen würden. Videoüberwachung beeinflusst unser Verhalten, an einer Schule sind Schüler von 10-18 Jahren die also eine Veränderung durch machen und sich selber sozusagen finden müssen. Durch Videoüberwachung wird deren verhalten Jahrelang beeinflusst.

 
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