Das Inzest-Drama in Amstetten und seine Folgen



Wer hier öfter vorbeischaut, dem ist meine Einstellung den Medien gegenüber bereits bekannt. Was sich rund um das Verbrechen in Amstetten abspielt, ist ein noch nie dagewesener Gipfel der Menschenverachtung und des Voyeurismus.

Nicht genug, dass (wieder mal) hauptsächlich BILD, Österreich und RTL sämtliches Ehrgefühl vermissen lassen, alle möglichen und unmöglichen Leute vor ihre Kameras und Mikros zerren, um Geschichten aus dem Leben der Familie Fritzl zum besten zu geben, 25 Jahre alte Briefe der bedauernswerten Elisabeth Fritzl abdrucken - nein, auch Frau Kampusch nutzt nach wie vor den Inzest-Express, um ihr Gesicht (und ihre wirre Gedankenwelt) in den Medien zu halten. Dabei kommt teils verwunderliches zum Vorschein. So wollte Frau Kampusch den gesamten Obulus für ein Interview mit dem Privatsender RTL der Familie in Amstetten spenden - das Honorar betrug 35.000€. Auf die tatsächlich angebotene Spende von 25.000€ und die Differenz von 10.000€ von einer Reporterin angesprochen, erklärte Frau Kampusch, die 10.000€ wären für ihre Unkosten(...). Nun - das Interview fand in einem Wiener Hotel statt - man möge mir bitte diese Unkosten beziffern, ich würde dies gern nachvollziehen können. Angesichts dessen verwundert es nicht weiter, dass Frau Kampusch an die Spende die Bedingung eines persönlichen Gesprächs mit den Opfern von Amstetten knüpft - so stand es auf etlichen Seiten zu lesen.

Aber nicht nur die "Hilfsbereitschaft" von Frau Kampusch macht mich nachdenklich - auch die Bigotterie diverser Tageszeitungen finde ich zum rückwärtsessen. Die "Krone" zum Beispiel entdeckte nach tagelanger, rücksichtsloser Berichterstattung ihr Gewissen und kürzte den bis dahin ausgeschriebenen Namen der Familie Fritzl fortan mit "F." ab - aus Gründen des "Opferschutzes" - wie man extra betonte. Wie nett - der Sinneswandel kam allerdings zu spät. Zu retten ist in der Redaktion der Krone wohl nichts mehr, dort scheint Hopfen und Malz verloren.
Den Vogel schoss allerdings abermals das Fellnersche Hirnlos-Blatt "Österreich" ab - mit einer Phantomzeichnung von Elisabeth Fritzl - natürlich gealtert, wie sie unter Umständen heute aussehen könnte - mit dem Hinweis, man habe die Zeichnung absichtlich verfremdet. Bitte was?? Annähernd dumm wie die Berichterstattung von "Österreich" ist nur noch der Artikel der "Bild", in dem ein Graphologe anhand der von Familie Fritzl angefertigten Dankes-Plakate festgestellt haben will, dass auch die Kinder Opfer von sexuellen Übergriffen Joseph Fritzls wurden. Das haben sie also davon. Da bedankt sich die Familie öffentlich für die Anteilnahme und wird prompt analysiert, um Schlagzeile zu machen.

Jenseits dieser Perversionen gibt es dennoch auch gute Nachrichten. So durften die Kinder, die ihr Leben bis vor wenigen Wochen in einem Kellerverlies verbringen mussten, endlich ihren ersten Spaziergang unternehmen - muß ein unbeschreibliches Gefühl gewesen sein, zum 1. mal Wind, Bäume, frische Luft und viele andere Eindrücke zu erleben - unvorstellbar für unsereins, die einen Baum schon lange nicht mehr zu schätzen wissen. Entgegen aller Medienberichte soll Elisabeth Fritzl laut Auskunft des Klinikpersonals keineswegs weiße Haare haben - und man stelle sich vor, die Frau hat auch noch Zähne im Mund, woran mal wieder zu erkennen ist, was für unglaublicher Schwachsinn uns täglich suggeriert wird. Besonders erfreulich finde ich, dass es gesundheitlich bei allen steil bergauf gehen dürfte und ihr Sozialleben sehr harmonisch zu sein scheint.
Dem Klinikpersonal in Amstetten/Mauer sollte man ihre Arbeit hoch anrechnen und danken, sie haben aus der Medienkampagne Kampusch gelernt, gehen genau den umgekehrten Weg und schirmen ihre Schützlinge hervorragend ab. Keine heimlichen Fotos, keine vertraulichen Details - nichts sickert an die Öffentlichkeit. So soll es sein - schließlich gehört die Familie sachte auf die restliche Welt vorbereitet. Ein Schock wird ihnen allerdings nicht erspart bleiben, wenn sie sich eines Tages mit den Medien konfrontiert sehen. Ich wünsche ihnen viel Kraft, einen neuen Namen und einen anonymen Neustart ins Leben.


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