Der ORF und das "Scheiß Internet"



Das ORF-Dialogforum zum Thema "Public Media & Public Value im 21. Jahrhundert" entwickelte sich zu einem demaskierenden Schauspiel für die Programmgestaltung des ORF.
Der Programmdirektor des ORF - Wolfgang Lorenz - zeigte eindrucksvoll, dass er von der Relevanz des Mediums Internet genausowenig hält, wie von den jungen Zuschauern, die man ja schon seit einiger Zeit - erfolglos - für sich gewinnen will. Angesichts der Aussagen von Lorenz wohl auch kein Wunder, denn es sei ihm ohnehin "scheißegal, ob sie(die junge Seherschaft) zuschauen".

Nachdem Lorenz den Jungen jegliches Bildungsinteresse abspricht, verwundert es auch nicht, dass man die zahlenden TV-Konsumenten Sonntag Nachmittags mit Fußball oder wahlweise einem Heimatfilm beglückt. "Die Jungen verkrümeln sich ins Internet" meinte Lorenz lapidar - und daraus lernen wir also, dass das Internet keineswegs mit Bildung zu tun hat - und noch viel weniger politisch relevant ist (...). Auch können sich die Jungen nicht richtig artikulieren - außer in Postings im Internet. Nunja - die Kunst der Artikulation hat wohl Lorenz selbst in dieser Diskussion auf einen neuen Level geführt - wollen wir mal froh sein, dass dies nicht der gängige Umgangston unter "Jungen" ist, denn würden wir alle so durch die Gegend prollen wie der Programmdirektor des öffentlich rechtlichen Fernsehens, so wäre dies tatsächlich ein Armutszeugnis für die Gesellschaft.

Angesichts dieses Debakels, über das ihr in zahlreichen weiteren Blogs und auch auf CHilli.cc nachlesen könnt, wundert mich eigentlich nichts mehr. Weder die Programmgestaltung des ORF, die oft zielsicher am Geschmack des breiten Publikums vorbeigeht (am Interesse der von Lorenz so verteufelten Jungen ohnehin), noch der veraltete Web-Auftritt des ORF und schon gar nicht der Frust vieler Gebührenzahler. Eigentlich sollte man massiven Widerstand leisten, die Gebührenzahlung einstellen und es kollektiv drauf ankommen lassen, mit dem netten GIS-Mitarbeiter vor der Wohnungstür zu streiten.

Unterm Strich kann ich aber eines bestätigten: Das Fernsehen hat an Wichtigkeit verloren und ist schon lange nicht mehr Informationsmedium No1. Im Haushalt Thumbsucker zum Beispiel läuft die Flimmerkiste tatsächlich nur noch 3-4 mal die Woche für einen sehr begrenzten Zeitraum. Warum auch - das Internet bietet jede nur erdenkliche Information. Doku-Streams, Politische Diskussionen sind online verfügbar, die Meinungsvielfalt ist gegeben. Denke ich an die Aussagen des ehemaligen ORF-Auslandskorrespondenten in der langen US-Wahlnacht, so komme ich zu dem Schluß, dass ich diese Stimmungsmache nicht notwendig habe - die es im Übrigen auch in den anderen Diskussionsrunden des ORF gibt.

Darüberhinaus gibt's da auch noch diese komischen Dinger - man nennt sie "Bücher".
Ein gutes Buch, eine Tasse Tee und gute Musik im Hintergrund reichen mir vollkommen aus, um auf den ORF gänzlich verzichten zu können.
Aber diesen Zweck erfüllt vermutlich auch ein "Bussi Bär"...


3 Responses So Far:

thomas hat gesagt…

Diese Aussagen sind sehr schade, weil der ORF teilweise gar keine schlechte Online-Redaktion hat.

Zwar keine gute Online-Programmierung - der Frames-gestützte Webauftritt und die WMV Streaming-Videos sind zwar wirklich eher von vorgestern - aber inhaltlich finde ich z.B. die Futurezone oder die Wissenschaftsredaktion sehr oft durchaus okay. Der Blog von Armin Wolf z.B. ist auch immer wieder lustig zu lesen.

Da könnte man was tolles draus machen, wenn man die Seite noch neugestalten würde - am besten mit einbettbaren Flash Video und Audio-Snippets statt den dämlichen WMV-Streams und Kommentarfunktion zu jedem Artikel ohne die ORF-übliche Zensur.

Thumbsucker hat gesagt…

Die Futurezone.orf.at ging ja gestern im neuen Gewand online - finde ich sehr gelungen (von den Farben mal abgesehen, die mit der Zeit Augenkrebs verursachen). Vielleicht zieht orf.at ja nach, was ich aber fast nicht glaube.

Wie du sagst - schade drum, man könnte ein tolles Nachrichtenportal auf die Beine stellen und die ORF-Zensoren ad acta legen. Auch "zu diesem tragischen Ereignis kann nicht gepostet werden" ist meistens maßlos übertrieben - andererseits schaut man sich um auf z.B. krone.at, wo ja zu jedem Thema gepostet werden kann, so ist das nicht verwunderlich.

Vor allem aber sollte man beim ORF mal junge Mitarbeiter ranlassen und die alten in Rente schicken. Sowohl was die Moderation betrifft, als auch bei der inhaltlichen Gestaltung. Glaubt man "Insidern", so werden junge Talente auf dem Küniglberg allerdings massiv gemobbt.

stefan hat gesagt…

diese diskussion zeigt die einstellung der orf gegenüber den sehern. man lebt von ihnen, holt sich körberlgeld mit massig werbung und gebührenpflichtigen anrufen (z.b.starmania oder dancing stars) aber unterm strich sch***** man einen riesigen haufen auf die gebührenzahler.

 
Real Time Web Analytics