Körpersprache-Scanner an Flughäfen - bald Realität?


Wenn das, woran die amerikanische Homeland Security gerade arbeitet, in der Realität umgesetzt wird, so würde das einen neuen Level in Sachen Überwachung "Sicherheit" bedeuten.
Die positive Seite daran: wenn das funktioniert, braucht man sich am Airport bald nicht mehr durchsuchen zu lassen, denn die "Bösen" werden schon durch ein Zwinkern oder Herumgezappel entlarvt...
Das Orwellsche Projekt der Homeland Security nennt sich "FAST" (Future Attribute Screening Technology). Statt sich auf am Körper versteckte Sprengstoffe oder Waffen zu konzentrieren, werden an Security Checkpoints stationierte Sensoren und Kameras die natürlichen Signale des Körpers deuten. Herzfrequenz, Atemfrequenz, Augenbewegungen, Körpertemperatur sowie Körperbewegungen in Echtzeit von Computern ausgewertet, sollen nach den Plänen der Überwacher Sicherheitsexperten potentiell gefährliche Personen entlarven.

"Die mit der psychischen Verfassung eines Menschen unmittelbar verknüpften Körpersignale wurden ausgiebig erforscht. Wir achten künftig auf die Signale, die der Körper naturgemäß automatisch sendet", so Projektmanager Robert Burns. Und weiter "Diese Technologie liefert dem Sicherheitspersonal Hinweise, die der Mensch nicht ausmachen kann und hilft so dabei, zu bestimmen, wen man einem genaueren Screening oder einer Befragung unterziehen sollte."
"FAST" könnte somit nicht nur an Flughäfen eingesetzt werden, sondern überall da, wo man die öffentliche Sicherheit gefährdet sieht - ergo auch in Stadien, Bahnhöfen, Messehallen usw. (später dann in Einkaufszentren, Fußgängerzonen, Ampeln, im Auto und wenn's geht auch gleich daheim im Schlafzimmer und auf der Toilette)
Im September demonstrierten die am Projekt beteiligten Forscher das bisherige Ergebnis der Presse.
Man ließ Schauspieler einen Raum betreten, in welchem "Screener" (Befrager) warteten und den Testpersonen eine Reihe von Fragen stellten. Unter anderem "Haben wir den Monat September?" oder "Planen sie, einen Sprengkörper detonieren zu lassen?". Die Antworten der Testpersonen wurden mit verschiedenen Diagrammen verglichen und gaben so Auskunft darüber, ob die ausgesendeten Körpersignale im "Normbereich" lagen, oder nicht.

Die Technologie zu entwickeln, verschlang bisher 20 Millionen US Dollar. Verhältnismäßig günstig wenn man bedenkt, mit welchen Summen die US-Geheimdienste normalerweise jonglieren(zum Beispiel 37,7 Milliarden US Dollar allein für die Homeland Security im Jahr 2003 - zum Vergleich: das gesamte Verteidigungsbudget Österreichs beträgt etwas über 2 Milliarden €, die USA veranschlagen dafür jährlich 607 Milliarden US Dollar und Deutschland bringt es immerhin noch auf 46,8 Milliarden US Dollar). Alles außer einem Sensor ist frei im Handel erhältlich.
Dazu gehört unter anderem:

  • Eine Thermobild-Kamera, welche die Temperatur im Gesicht einer Person im "Auge" behält und Veränderungen farblich darstellt. Eine rapide Veränderung der Körpertemperatur während einer Befragung ist ein potentieller Hinweis auf einen Stressfaktor und somit auch auf einen Terroristen.
  • Ein "Eye Tracker" - dieser kontrolliert die Zwinkerfrequenz und die Bewegung der Augen. Zu oft gezwinkert, ein nervöser Blick - ab geht's zur Einvernahme durch einen freundlichen Beamten.
  • Zwei der Maschinen überwachen die Herzfrequenz und die Atemfrequenz. Nebenbei vergleichen sie den Intervall zwischen den Herzschlägen und die Tiefe der Atemzüge. Wird der Normwert überschritten, tritt ebenfalls obiges Prozedere in Kraft.
  • Und dann gab es noch einen improvisierten "Zappelmonitor" zu bestaunen. Die Forscher nahmen ein Nintendo Wii Balance Board - mit diesem Ding spielen normalerweise kleine und größere Kids daheim im Wohnzimmer. Man demonstrierte damit die Verlagerungen des Gewichts eines menschlichen Körpers. Wenn jemand herumzappelt, verlagert sich das Gewicht laufend - er macht sich somit der Nervosität verdächtig und wird umgehend zur weiteren Befragung abgeführt.
Ein menschlicher Checkpoint-Screener würde nicht auf jedes einzelne Signal achten können. Doch das Zusammenspiel sämtlicher Körpersignale analysiert durch HighTech ist ein untrügliches Indiz für den mentalen Zustand einer Person und somit ein Indikator für eine mögliche Gefährdung. Eine Zielperson könne somit leichter ausgemacht und zur weiteren Befragung gebeten werden.

Dass derzeit Bürgerrechtler in den USA gegen diese Technologie Sturm laufen, versteht sich von selbst.
Ebenso versteht sich allerdings von selbst, dass sämtliche Bedenken von der Homeland Security mit einem Schulterzucken relativiert werden.
"Wir achten nur auf die natürlichen Signale ihres Körpers. Wir fragen sie nach keinen persönlichen Informationen. Wir stellen überhaupt keine Fragen über sie als Person." so Projektleiter Burns.
Stimmt. Gefragt wird erst später, nachdem eine Maschine entschieden hat, dass das Verhalten einer Person nicht dem "Normwert" entspricht. Dann gilt man vermutlich aber bereits als Terrorverdächtiger - und mit denen gehen unsere amerikanischen Freunde bekannterweise nicht unbedingt liebevoll um. Ergo gilt es, vor dem Betreten eines US-Airports die Blase zu leeren und ein paar Entspannungsübungen zu machen. Einmal zu viel herumgezappelt und schon sitzt man im Flugzeug - allerdings in einem ohne Kennung und auf dem Flug nach Guantanamo oder einem ähnlich netten Etablissement, mit einer schwarzen Zipfelmütze auf dem Kopf.

Gegen diese Pläne (die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch umgesetzt werden) der US-Homeland Security machen sich die Visionen von George Orwell wie ein buntes Kinderbuch mit lächelnder Sonne und rosa Häschen.

Eine neue Dimension der Überwachung und eine beängstigende Vorstellung...
Big Brother hat uns bei den Balls.
Und Osama hat gut Lachen.

Source: CNN


4 Responses So Far:

Thomas hat gesagt…

Danke für den wie üblich sehr guten Artikel!

Allerdings sind die 37,7 Billionen "bloß" 37,7 Milliarden.

Thumbsucker hat gesagt…

Thx!

Ich habe den Artikel um 5 Uhr Morgens editiert, da habe ich nicht mehr auf Details geachtet ;-)

Mathias hat gesagt…

Und das alles unter dem "Messias" Barack Obama...
Change?

Thumbsucker hat gesagt…

3 Jahre hat er ja noch, um etwas zu ändern, auch wenn sich eine Tendenz schon abzeichnet.
Bin gespannt, ob es für eine zweite Amtszeit reicht.

 
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