Amerika "will" - und die Welt springt




Mal wieder machen die USA auf den Rest der Welt - auf die EU im speziellen - Druck und möchten ihre Interessen umgesetzt sehen - besser jetzt als gleich, besser gestern als heute.
Nachdem Washington schon freien Zugriff auf EU-Bankdaten forderte,was bisher lediglich am Einspruch der deutschen Bundesregierung scheiterte(wo zum Teufel sind die österreichischen Schwachmaten?), geht es diesmal wieder um ACTA (Anti Counterfeiting Trade Agreement - zu Deutsch Antipiraterieabkommen).
2010 möchten die USA diesen Plan umgesetzt wissen, was genau die Bürger dann erwartet, steht in den Sternen - denn Obama verweigerte öffentliche Einsicht in die Protokolle mit dem Vermerk "dies würde die nationale Sicherheit gefährden".
Wie eines der Hauptanliegen - nämlich die Stärkung der Urheberrechte und der Kampf gegen illegale Downloads - die nationale Sicherheit der USA gefährden könnte, blieb freilich unerwähnt - vermutlich ist auch das streng geheim, viel Wissen macht ja bekanntlich Kopfweh und deswegen wurden die zahlreichen Anfragen von Bürgerrechtsorganisationen stets abgewiesen.
Was bisher durchsickerte, lässt allerdings Böses befürchten - nämlich einen massiven Eingriff in die Grundrechte sowohl der Bürger in den USA, als auch der EU-Bürger.

Um die Interessen der Medienkonzerne zu schützen, ist den USA somit offensichtlich jedes Mittel recht. Zur Stärkung der Urheberrechte und um die bösen "Raubkopierer" endlich hinrichten abschrecken und bestrafen zu können, wollen die USA ein "Three Strikes" Modell international durchsetzen.
Das heißt soviel wie: wird jemand beim Tausch/Download von urheberrechtlich geschütztem Material ertappt, so setzt es die ersten beiden Male eine Verwarnung. Beim dritten Mal wird dann der Internetanschluss des Betroffenen gekappt(in Frankreich für ein volles Jahr, wenn es nach den Politikerflüsterern aka Lobbyisten geht, vermutlich länger wenn nicht gar für immer).
Logisch. Der digitale Kopierschutz DRM war ein Rohrkrepierer, mit dem man zwar die zahlenden Konsumenten für das käufliche Erwerben eines Produktes bestrafte, nicht aber die "Raub"kopierer, welche DRM im Handumdrehen ausgehebelt hatten. Ergo bleibt nur noch die Möglichkeit, den Schwerverbrechern das Recht auf Information zu beschneiden und ihnen das Internet abzudrehen - am besten ohne richterlichen Beschluß, ohne Verhandlung und ohne Beweislegung.

Nun darf man also dem Ergebnis der ACTA Verhandlungen mit Spannung entgegensehen.
Abgesandte von Australien, der EU sowie einzelner ihrer Mitgliedsstaaten, Japan, Kanada, Korea, Marokko, Mexiko, Neuseeland, Schweiz, Singapur und den USA werden sich im Januar 2010 in Mexiko erneut zusammenfinden, um vielleicht zum letzten Mal Details zu verhandeln und ACTA ehestmöglich zu verabschieden. Betrachtet man die geringe bis nicht vorhandene Gegenwehr unserer gewählten Volksvertreter gegenüber den USA in der Vergangenheit, muss man die Zukunft pessimistisch sehen und kann sich mit "Three Strikes" bereits jetzt anfreunden, denn es ist somit quasi beschlossene Sache.
Nach der SPG-Novelle, dem Zugriff der Polizei auf sämtliche Verbindungsdaten von Handys und Computern (um arme Bergsteigerbauxerl zu retten und gegen böse Terroristen zu kämpfen) und der Vorratsdatenspeicherung kommt mit ACTA die nächste Kastration von Grundrechten daher.
Und keiner kann/will dagegen etwas unternehmen.

Es ist 5 vor 12. Langsam wird es Zeit, den Hintern aus dem Sessel zu heben und aktiv zu werden. Leider fühlen sich von dieser Thematik vorwiegend junge Menschen betroffen, den Älteren geht es meist bildlich gesprochen am Arsch vorbei und so werden Artikel wie dieser belächelt, als Verschwörungstheorie und paranoid abgestempelt. Die Ältesten wiederum können sich noch sehr gut erinnern, was in Europa schon einmal mit einer ähnlichen Entwicklung eingeleitet wurde.
Wir müssen alles tun, um diese Entwicklung aufzuhalten. Jetzt.


3 Responses So Far:

Halloween hat gesagt…

Ich glaube nur so kann man der Raupkopiererszene das Handwerk legen.
Alles andere verpufft doch nur, wie ebend die ganzen Kopierschutzmechanismen.
Wenn jemand seinen Netzanschluss einbüst ist das so ähnlich wie ein Ladenverbot für das Geschäft in dem man gestohlen hat.
Und das Geschäft ist in diesem Fall das Internet.
Ist nur fähr gegenüber den Leuten die DVD´s,CD´s,etc. rechtmäßig erwerben.

Korrupt hat gesagt…

->Halloween: Schwachsinn. Fair wäre ein adäquates Geschäftsmodell und die freie Verfügung über erstandene Files. Ob nun mp3, ebook oder Spiel - du kaust etwas und dürftest - wenn es nach dem Willen der Industrie geht, "dein" File nicht mal auf einen anderen Datenträger kopieren.

Was ist mit der Urheberrechtsabgabe, die jeder auf so gut wie alles zahlt? Festplatten, Rohlinge, Scanner, Drucker - egal was, überall bezahlt jeder unabhängig vom Verwendungszweck diese Abgabe - was passiert mit diesem Geld?

Oder die Frechheit der MI, Handyklingeltöne als "öffentliche Aufführung" deklarieren zu wollen und dafür Abgaben zu verlangen?

Die Industrie dreht es sich, wie sie es braucht. Augenauswischerei. Sollen Qualität produzieren und dafür faire Preise verlangen. Oder sich auf eine Kulturflatrate einigen. Aber dafür sind sie zu Geldgeil.

Thumbsucker hat gesagt…

@Halloween: Das Kappen des Internetanschlusses ist ein Verstoß gegen die Informationsfreiheit. Diese ist im Grundrecht verankert (für Deutschland z.B. Artikel 5, Absatz 1).

Du bist also der Meinung, man sollte die Grundrechte der Bürger (und zwar international, nicht beschränkt auf z.B. die USA) vergewaltigen und sie zu Gunsten eines "Wirtschaftszweigs" abschaffen?

Ich wette hier und heute mit dir: Sollte es so weit kommen, wird die MI oder die Filmindustrie um keinen Cent mehr Gewinn verbuchen, sondern wird im Gegenteil weiterhin rückläufig sein. Warum? Ganz einfach. Weil mehr und mehr Menschen dieses Geschäftsmodell boykottieren und den Konsum schlichtweg verweigern, weil ein Industriezweig sich mit Zuflüstern in den Ausschüssen Gesetze kauft, anstatt sein Geschäftsmodell zu überdenken.

Und das ist gut so.

@Korrput: Word.

 
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