Zeitungsartikel – Märchenstunde mit BILD, Krone & Co




Jeden Tag sind wir konfrontiert mit massig Nachrichten und Artikeln. Im Internet, als Printformat, im Radio oder im TV werden wir zugetextet mit Informationen, meist in mangelnder Qualität und von fragwürdigem Journalismus geprägt.

Viele die ich kenne, fragen sich des Öfteren, was an diesen Artikeln und Informationen wahr ist und was davon erstunken und erlogen. Thumbsucker himself durfte vor nicht allzu langer Zeit in Echtzeit miterleben, welcher Methoden sich „Journalisten“ bedienen, um eine rührende Geschichte zu konstruieren, die zu 90% aus Bullshit und einem kleinen Kern Wahrheit besteht.

Erst mal die Geschichte aus meinem Freundeskreis nüchtern dargestellt:
Eine 82jährige Frau begann Spätabends in ihrer Küche zu kochen. Ein kleiner Schwelbrand brach aus, verqualmte die Wohnung der betagten Seniorin und sie erlag einer Rauchgasvergiftung. Als Stunden später Nachbarn im Treppenhaus den Brandgeruch wahrnahmen, war das Feuer längst aus – nichts Wesentliches verbrannt, da auf den Herd und den Dunstabzug begrenzt.

So weit, so gut. Ähnliches passiert nahezu täglich irgendwo und wird von den Medien an sich kaum wahrgenommen – meist belässt man es bei einem Zehnzeiler mit eben diesen Fakten und das war’s. Tat man anfangs auch in diesem Fall. Allerdings hatte eine österreichische Tageszeitung noch ein paar Lücken in ihrem Onlineformat zu füllen und so entschloss sich ein findiger Journalist, eine rührselige Geschichte daraus zu konstruieren, nach der sich die von ihm interviewte Angehörige des Rauchgasopfers fragte, ob es dabei tatsächlich um ihre Mutter ging, oder ob es sich um einen anderen Todesfall handelte.



Im Folgenden zerpflücke ich nun den rührseligen Artikel und stelle ihn den Tatsachen gegenüber.

Journalist: „Die beliebte 83jährige Frau (…)
Fakt: Eine bösartige, rassistische, verbitterte Frau die keiner mochte und die zudem erst 82 war.

Journalist: „(…) beim Kekse backen für ihre Lieben(im Folgeartikel auch Enkerl)“
Fakt: Kekse backen ist vollkommener Bullshit, darauf gehe ich etwas weiter unten ein. „Für ihre Lieben“ – erstunken und erlogen. Die „Lieben“ und „Enkerl“ hatten seit mehr als 10 Jahren keinen Kontakt (weder schriftlich, noch telefonisch und schon gar nicht persönlich) zu der „beliebten“ Rentnerin, da die herzensgute(ja, genau) Frau mit Intrigen beinahe die komplette Familie entzweit hätte. Und zwar so massiv, dass die Angehörigen sich später sogar weigerten, die Bestattungskosten zu übernehmen.

Journalist: „Brandherd war der Dunstabzug“
Fakt: Das mag vielleicht sogar stimmen. Aber wie das Backrohr beim Kekse backen für die Lieben den Dunstabzug in Brand setzt, muss mir mal jemand erklären(die angerückte Feuerwehr hat das darüberhinaus ein klein wenig anders dargestellt - aber was wissen die schon). Zudem gab die Angehörige der 82jährigen gegenüber dem Journalisten an, dass diese sich öfter mal Nachts das Essen für den nächsten Tag vorkochte.

Journalist: „Doch als sie (die Feuerwehr) in die brennende Wohnung eindrangen(…)“
Fakt: Erstunken und erlogen – das Feuer war bereits seit Stunden aus, die Feuerwehr hatte keinen Brandherd zu bekämpfen. Darüberhinaus musste die Feuerwehr die Wohnung nicht "aufbrechen" und "eindringen", sondern konnte sie "betreten", nachdem der anwesende Hausverwalter die Tür aufgeschlossen hatte. Klingt natürlich weit weniger dramatisch.

Journalist: „(…)dürfte die 83jährige vor dem Herd eingeschlafen sein“
Fakt: Abermals – 82jährige, nicht 83jährige – die zudem nicht vor dem Herd gefunden wurde, sondern im Flur ihrer Wohnung.

Dies ist also nur ein kleines Beispiel dessen, was Medien uns täglich auftischen und was tatsächlich der Realität entspricht. Dabei geht es hier lediglich um eine vollkommen irrelevante Story, welche man beim Aufschlagen der Zeitung maximal überfliegt. Demzufolge möchte ich gar nicht wissen, wie viel Wahrheitsgehalt in vergleichsweise „wichtigen“ Nachrichten steckt.
Man kann schon gar nicht mehr von „Beschönigen“ reden, genaugenommen ist es eine aus den Fingern gesogene Geschichte, konstruiert aus einem Quäntchen Wahrheit.
Gerade weil es sich bei dieser Geschichte nur um ein vergleichsweise belangloses Beispiel handelt, fragt man sich nach der Notwendigkeit dieser aufgetischten Märchen.  Dass dieser Journalist den Angehörigen, welchen die Lügen und Intrigen der "beliebten 83jährigen" sehr gut im Gedächtnis verankert sind, mit seinem erfundenen Artikel einen Schlag ins Gesicht versetzt hat, sei nur am Rande erwähnt.


Ich für meinen Teil ziehe eine Lehre aus dieser Geschichte. Und die Konsequenz, betreffende Tageszeitung nicht mehr zu konsumieren – weder die Printausgabe(die verweigere ich ohnehin schon seit Jahren), noch das Onlineformat. Wenn ich Fiktion lesen möchte, kaufe ich mir ein Buch.





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