Sarah Palin schlägt wieder zu



Die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner, Sarah Palin, hat sich mal wieder aufgerafft, um die Welt - genauer Kanada - mit Weisheiten zu beglücken.
In ihrer Funktion als VIP-Gast einer Benefizveranstaltung zugunsten kanadischer Krankenhäuser in Ontario, ließ Palin, strikte Gegnerin von Präsident Obamas Gesundheitsreform in den USA, während ihrer Buch-Promotour die Zuhörerschaft wissen, dass es "höchste Zeit sei, das öffentliche Gesundheitswesen in Kanada (welches dem in Österreich gleicht) abzubauen und privaten Konzernen zu überlassen, um Profit daraus zu schlagen".
Verständlich, schließlich funktioniert das ja auch in den USA reibungslos, Versicherungsanstalten und Krankenhäuser machen mit den Patienten im Prinzip was sie wollen und zerstören mit immensen Rechnungen Existenzen. Amerika als Beispiel für das Gesundheitswesen eines Landes herzunehmen, um ein funktionierendes, öffentliches Gesundheitssystem abzuschaffen, ist sogar für eine Sarah Palin ein wirrer Gedankengang.

Von besagter Benefizveranstaltung wurde Sarah Palin als Konsequenz für ihre Dummheit hinausgeworfen, zahlreiche Anrufe von verärgerten Kanadiern stellen Palins weiteres Engagement in Kanada in Frage.
Amerikaner entschuldigen sich bei Kanada mit Sätzen wie "Entschuldigung, liebe Kanadier. Einer unserer geistig Behinderten ist entkommen." und tatsächlich stellt man sich die Frage, ob Palin noch richtig tickt oder tatsächlich zu dumm ist, zu begreifen, dass jeder ihrer öffentlichen Auftritten sie zu einer noch größeren Lachnummer macht.

Vielleicht aber hält Sarah Palin Kanada für einen Teil von Alaska, wer weiß das schon so genau...

Source: torontosun


7 Responses So Far:

sohalt hat gesagt…

Das Gesundheitswesen in Kanada gleicht nicht dem Österreichischen. Das kanadische Gesundheitssystem ist nicht nur stark reguliert und chronisch unterfinanziert, so dass laufend Menschen sterben, während sie auf eine Behandlung warten (siehe z.B. hier), sondern in einigen kanadischen Staaten ist es sogar so, dass die private Finanzierung im Gesundheitsbereich verboten ist. Das führt dazu, dass viele Kanadier in die USA kommen (müssen) um sich behandeln zu lassen.

Die Idee also, dass man auch private Gesundheitsvorsorge zulässt, so dass zumindest die, die es sich leisten können sofort behandelt werden, ist da schon sinnvoll. Das ist z.B. ein Zitat von Palin - das sie einem "verdeckten" kanadischen Reporter gab, der sich als konservativer ausgegeben hat:

Keep the faith because common sense conservatism can be plugged in there in Canada too. In fact, Canada needs to reform its health care system and let the private sector take over some of what the government has absorbed.


Was daran so verrückt ist, erschließt sich mir nicht. Das haben wir in Österreich ja auch so.

Thumbsucker hat gesagt…

Stimmt schon - die Wartezeiten resultierend aus übervollen Notaufnahmen sind ein Problem. Ich könnte dir jetzt aber binnen einer Stunde zig wenn nicht sogar hunderte ähnliche Fälle aus den USA verlinken, die simpel und einfach auf Verweigerung von Hilfeleistungen basieren - dafür braucht es keinen Michael Moore und kein Sicko, die Realität spricht Bände.

Dennoch bekommt in Kanada - im Gegensatz zu den USA - *jeder* medizinische Versorgung, der kanadischer Staatsbürger ist, eine permanent resident card besitzt und selbst Flüchtlingen wird der permanent resident Status zugestanden, um ihre Krankenversorgung zu gewährleisten.

Im Gegensatz zu den USA hat nahezu jeder Berufstätige in Kanada automatisch auch eine Krankenversicherung (wie in Österreich) und muss sich nicht mit einer privaten Versicherung a la Platzhirsch "Blue Cross" herumstreiten, um seine Ansprüche geltend zu machen. Darüberhinaus bezahlt man in den USA für nahezu jede zusätzliche Leistung Unsummen - begonnen bei dental care (eine PZR für läppische 160$ ist da noch eine der günstigsten Leistungen) bis hin zu Medikamenten - von Behandlungen wie cancer treatment möchte ich erst gar nicht reden.

In den USA sterben jährlich 45.000 Amerikaner, weil sie keine Krankenversicherung haben.
Also was möchte Sarah Palin den Kanadiern beibringen - Massenmord light am eigenen Volk durch Verweigern von Hilfeleistungen?
So nebenbei war es zwar einer der festen Bestandteile der US-Demokratisierungspläne für den Irak, jedem Iraker kostenlose medizinische Versorgung zugängig zu machen - dem eigenen Volk möchte man das allerdings nicht so wirklich zugestehen - im Gegenteil - George W. Bush hat 2007 das State Children's Health Insurance Program mit seinem Veto belegt und hatte dafür den lapidaren Kommentar "gesunde Kinder brauchen keine Krankenversicherung" parat.

Die Lebenserwartung in Kanada ist weit höher als jene in den USA - siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Health_care_in_Canada#Canadian_health_care_in_comparison und vergleiche das mit den Kosten und dem medizinischen Personal per 1000 Einwohner - vielleicht liegt das aber auch nur an der gesunden kanadischen Luft und nicht an der gesundheitlichen Versorgung - who knows.

Ich kann also durchaus nachvollziehen, dass Kanadier sich ziemlich gerollt fühlen, wenn ausgerechnet eine Sarah Palin ihnen erklären möchte, wie der Hase läuft.

Im Übrigen gibt es auch in Kanada private medizinische Einrichtungen. Diese dürfen allerdings (noch) keine medizinisch notwendigen Behandlungen durchführen, sondern lediglich z.B. kosmetische Operationen.

Thumbsucker hat gesagt…

p.s.
Interessante Lektüre zum Thema:
http://www.yesmagazine.org/issues/health-care-for-all/1503

sohalt hat gesagt…

Aber es ist wohl unbestritten, dass etwas mehr Privat dem kanadischen System gut tun würde. Und das hat Sarah Palin gesagt. Soweit ich weiß, hat sie nie davon gesprochen, dass die Kanadier die öffentliche Gesundheitsvorsorge komplett abschaffen sollen.

Dass das System in den USA ebenfalls viele Probleme hat (wenn auch andere), hat damit ja nicht unbedingt was zu tun.

Und dass der Irak jetzt eine öffentliche Gesundheitsvorsorge hat, hat damit auch nichts zu tun. Du wirst doch nicht denken, dass die einen Standard haben, der auch nur annähernd an das heran reicht, was wir gewohnt sind.

Und das mit dem SCHIP-Programm war schon etwas komplizierter. Es ging darum, ob das Programm auf Familien ausgedehnt wird, die mehr als $60.000 im Jahr verdienen.

Die Lebenserwartung ist ein furchtbar schlechter Indikator für das Gesundheitssystem. Wenn junge Menschen sterben, dann "belastet" das die Lebenserwartung sehr stark. Und in den USA sterben nun mal mehr junge Menschen durch Gewalt, es gibt Probleme mit den Lebens- und Essensgewohnheiten usw.. Wenn man sich aber z.B. die Krebsüberlebensrate anschaut, dann sieht man, dass die USA hier meistens auf dem ersten Platz sind (es gibt natürlich große Unterschiede zwischen versch. sozialen schichten, aber der Durchschnitt ist die USA trotzdem noch meist auf Platzt 1).

Ich behaupte überhaupt nicht, dass das Gesundheitssystem in den USA keine Katastrophe ist. Aber das kanadische System ist ebenfalls eine Katastrophe und wenn Sarah Palin sagt, dass die Kanadier mehr private medizinische Behandlung zulassen sollen, dann hat sie recht.

Thumbsucker hat gesagt…

Das SCHIP-Programm hätte dringendst ausgedehnt werden müssen, denn in den meisten US-Bundesstaaten war man zu diesem Zeitpunkt mit einem income von 60.000$ schon an/unter der Armutsgrenze. In Ballungszentren wie Los Angeles machte eine Familie mit 2 Kindern und einem jährlichen income von 110.000$ nach Abzug aller Lebenshaltungskosten sogar noch 10.000$ Schulden, um über die Runden zu kommen. Stattdessen hatte Georgie Boy sich zum Ziel gesetzt, SCHIP (neben vielen anderen Dingen wie zum Beispiel Renten) drastisch zu kürzen, um das Geld den Militärs in den Arsch zu blasen.

Aber zurück zum eigentlichen Thema:
Der große Unterschied ist:
Braucht man in Kanada medizinische Versorgung, bekommt man sie. Und zwar ausnahmslos *jeder*, der die Voraussetzungen erfüllt - dank Medicare. Und ich rede jetzt nicht von Krankheiten wie Krebs(eine Tante in Houston starb an Bauchspeicheldrüsenkrebs - Behandlungen in den USA kosten RICHTIG Geld - und zwar trotz Versicherung) oder Aids. Ich spreche von den kleinen Wehwehchen. Hast du Grippe - gehst du zum Arzt, bekommst ein leistbares Medikament. Hast du Zahnschmerzen, gehst du zum Zahnarzt, wirst behandelt und bist die Sorgen los. Brauchst du ein MR, wird es dir gemacht - zwar für einen kleine Selbstbehalt, aber der liegt noch immer Welten von den 2.500$ entfernt, welche man dir in den USA aus der Tasche zieht, wenn du ein MR benötigst und deine Krankenversicherung der Meinung ist, das MR wäre nicht nötig gewesen (zum Beispiel wegen einer 25 Jahre zurückliegenden Zyste im Mund, die bei Abschluss des Vertages vom Versicherten nicht angegeben wurde und nun plötzlich der Versicherung als Alibi dient, um deine Herzbehandlung nicht zu bezahlen).
Und genau DAS ist auch der Grund, warum die Amerikaner die Kanadier um ihr Gesundheitssystem beneiden - die medizinische *Grundversorgung* ist für jeden gegeben bis hin zum Arbeitslosen Sozialfall, der aber natürlich Abstriche machen muss (die werden aber auch bei uns benachteiligt). Die meisten Angestellten und Arbeiter sind zusätzlich noch über ihren Dienstgeber versichert und müssen sich kaum über etwas Sorgen machen.

Natürlich - das kanadische System ist genaugenommen unüberschaubar kompliziert und verbesserungsbedürftig. Spricht man aber von "Privatisierungen", haben Kanadier die Entwicklung des US-Gesundheitswesens in den letzten 30 Jahren vor Augen.
*Auch* private Versorgung anzubieten - OK. Die Frage ist halt, wie lange es so bleibt und in welche Richtung es sich entwickelt.

So nebenbei: den Krankenhaustourismus gibt es auch umgekehrt. Zum Beispiel das Greater Niagara General ist voll mit Amerikanern und es gibt organisierte Busreisen aus den Bundesstaaten Washington, New York und Jersey, um in Kanada Medikamente einzukaufen(natürlich geht da eher selten etwas legal über die Grenze).

robert hat gesagt…

kann thumbsuckers kommentare bestaetigen. ich habe 7 jahre in canada gelebt. die medizinische versorgung in canada ist bei weitem nicht so schlecht, wie republikaner es gerne haetten, um damit die situation in den usa schoenzureden. natuerlich gibt es verbesserungsbedarf, wo nicht? aber primaer geht es wie thumbsucker schreibt um die grundversorgung und die ist in canada gegeben - und wenn jemand behauptet, die spiele keine rolle bei der lebenserwartung, dann ist das ein wenig weltfremd. oder womit will man die differenz der saeuglingssterblichkeitsrate zwischen canada und den usa erklaeren? da sehen die hier erwaehnten kommentare ganz schoen alt aus.
us politiker sollten also den ball schoen flachhalten, denn was diesbezueglich in amerika passiert, ist menschenunwuerdig.

Thumbsucker hat gesagt…

@Robert: *pssst* Persönliche Erfahrungen zählen nicht, wenn sie den "harten Fakten" im www widersprechen ;-)

 
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