Zeitreise mit Facebook


Ich persönlich bin kein großer Fan von Facebook und ähnlichen Angeboten. Um nichts in der Welt würde ich mich dort anmelden, um mein Privatleben zu veröffentlichen. Grund dafür sind unter Anderem Menschen wie ich, die Facebook schon gern mal dazu nutzen, um sich ....nennen wir es mal "auf dem Laufenden zu halten" ;-)

Dieser Tage begab es sich also, dass ich mal wieder die Facebooks meiner Familie in den USA besucht habe.
Ein kurzer Visit im Facebook meiner texanischen Cousine ist immer wieder interessant. Primär wollte ich herausfinden, ob ihre dritte...oder war es die vierte...Ehe länger hält als die davor(knappe 3 Monate), oder ob ihr Beziehungsstatus bereits wieder auf "it's complicated" gesetzt ist.
Weiter ging's zum Facebook von Cousin Michael. Ein zweites Kind ist unterwegs, natürlich findet man die Ultraschallbilder des heranwachsenden Rednecks im Onlinealbum - neben ein paar Fotos aus Mikes Kindheit, die er über weite Strecken in Österreich verbracht hat.
Besagte Kindheitsfotos riefen die Erinnerung an frühere Zeiten wach und irgendwann begann ich, meine ehemaligen Schulfreunde im Web zu suchen...

Wenn man an die Schulzeit denkt, so ist diese bei wohl jedem mit einer Hand voll bestimmter Personen verknüpft - so auch in meinem Fall.
Da wäre zum Beispiel der Schönling. Ronald hieß er. Immer topmodern angezogen, hübsches Gesicht, sportlich, Kapitän der Schülermannschaft und auch noch gute Noten. Eine große Zukunft wurde ihm prophezeit, dem Ronnie, wie er auch zärtlich genannt wurde und viele Jungs haben ihn beneidet.
Den Ronnie von Heute würde allerdings kaum noch jemand beneiden. Viel zu früh geheiratet, 2 Kinderlein in die Welt gesetzt. Ein bisserl frustriert ist sein Gesichtsausdruck auf allen Fotos - der Ausdruck des Gesichts, das noch immer so aussieht, wie damals in der Schule - Bartwuchs sucht man vergebens und irgendwie passen Strickweste und Birkenstock, mit denen Ronnie durch die Hallen seines Dienstgebers (einer Versicherung) schlurft, nicht zum jungenhaften Gesicht, auf dem noch die gleiche Brille sitzen dürfte, wie damals in der Schule...
Tja, Ronnie, da ging wohl einiges schief - the glory days are gone.
Ob ich es ihm gönne? Klar doch, ein wenig - wer würde das nicht ;-)

Motiviert vom Versagen des Schönlings machte ich mich auf die Suche nach dem Streber.
Robert, so sein Name, war der typische Klischee-Streber. Ein wenig moppelig, abartige Frisur, erhabener Gesichtsausdruck (seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten - auch den Busen hatte er von ihr) und die Mädels in der Schule hatten es bei Ballspielen im Sportunterricht besonders auf Roberts Wasserkopf abgesehen. Natürlich war er der Liebling der Lehrer - als logische Konsequenz unbeliebt bei den Mitschülern. Wenn Robert beim Turnen in seinen Herrenbusen gekniffen wurde, sagte er immer "ihr werdet noch alle zu mir aufschauen".
Heute ist Robert Single, kinderlos und arbeitet bei der ÖBB(Österreichische Bundesbahnen). Anhand seiner Onlinezeit auf Facebook gemessen, dürfte es auch mit Freunden nicht sonderlich rosig ausschauen...
Vermutlich ist heute wie damals niemand gut genug für seine Mutti. Irgendwie tut er mir fast ein wenig leid.

Interessant fand ich die Karriere des Klassenclowns, welcher vom Landesmeister im Bodybuilding hin zum Beruf als Gerichtsvollzieher fand und heute das macht, was er schon damals am besten konnte - mit seiner Faust auf Dinge einschlagen (damals unsere Oberarme, heute die Türen der Schuldner) und böse schauen. Der hat also konsequent sein Ziel verfolgt und das Hobby zum Beruf gemacht ^^

Doch auch Trauriges habe ich auf meiner Suche nach ehemaligen Schulfreunden herausgefunden.
So ist Romana schon vor einigen Jahren viel zu jung an Krebs verstorben. Romy gehörte zu der Gruppe von Mädels, die sich von den Queens der Klasse distanzierten, gute Noten einfuhren, wirklich nett und hilfsbereit waren(ein wenig zu christlich für meinen Geschmack) und die ich sehr gern mochte.
Shit, es trifft doch immer die falschen...
Manuela, ebenfalls damals ein nettes Mädchen, hat sich von den Schäden einer Gehirnerkrankung nicht mehr erholt und ist heute ein Pflegefall. Wolfgang (damals ein toller Kerl und guter Freund, den ich schon aus dem Kindergarten kannte) ist psychisch am Ende - Dank der Drogen, die er jahrelang konsumiert hat und die wohl seine grauen Zellen zerstört haben.

Anyways...genug Melancholie, zurück ins Jetzt und Heute ;-)
Künftig werde ich mich wohl öfter im Web auf die Spuren ehemaliger Freunde begeben, ich befürchte ich habe Blut geleckt.
Und um mich vor Typen wie mir zu schützen, würde ich eher mein Notebook aus dem Fenster werfen, als auf Facebook zu strippen. Denkt 2x nach, ehe ihr Infos über euch im Web preisgebt, das könnte euch mal zum Verhängnis werden.


0 Responses So Far:

 
Real Time Web Analytics