123 tote Zivilisten? Interessiert keine Sau



Um das Jahr 2010 ansprechend zu beginnen, dachten sich die US-Militärs "Lasst uns doch mal ein paar Predators nach Pakistan schicken und ein paar böse Terroristen töten" und ließen die unbemannten Drohnen allein im Januar 12 Raketen auf Stammesgebiete in Pakistan abfeuern.
Die Bilanz: 3 tote al-Quaida Terroristen, 123 unschuldige Zivilisten.

Ist mir vollkommen unverständlich, warum Pakistan die Amerikaner hasst. Ich meine - 123 tote Zivilisten muss man doch als Kollateralschaden in Kauf nehmen, wenn man dafür gleich 3 Terroristen tötet, so ähnlich sieht das wohl die US-Regierung.
123 Tote...lassen wir das mal ein wenig sacken und stellen wir uns vor, was passieren würde, wenn mal eben jemand 12 Raketen in die USA schickt und einen Haufen Unschuldige umbringt.
Die USA würden Amok laufen und das betreffende Land unter einen Bombenteppich legen.
Naja..nicht ganz. Mal angenommen, ein Grüppchen Ungarn bombardiert die USA, dann würde Amerika nach dem Beispiel von 9/11 *Österreich* in Schutt und Asche legen - überspitzt formuliert, aber im Kern der Aussage richtig.

Aber hey, das ist Amerika - wer hinterfragt da schon etwas?
Pakistan sollte nicht nur Amerika hassen. Pakistan sollte den gesamten Westen hassen.
Geht doch allen am Arsch vorbei, ob Amerika ungerechtfertigt andere Staaten ordentlich durchvögelt, basierend auf äußerst zwielichtigen Gründen. 2001 wurden uns ein paar Gesichter gezeigt - angebliche Terroristen, welche die Flugzeuge ins WTC gesteuert haben. Seltsamerweise haben die sich dann per Presse gemeldet - aus ihrem Heimatland - und bekanntgegeben, dass sie ihre Heimat nie verlassen hätten und mit den Anschlägen nichts zu tun hatten.
Hat das jemanden interessiert? Habt ihr darüber noch mal was gehört oder gelesen?
Die Antwort lautet "Nein", denn wir waren alle zu sehr damit beschäftigt, live auf CNN und anderen News-Channels mitzuerleben, wie die ersten Raketen in Bagdad einschlugen und hingen gebannt an den Lippen von Antonia Rados. Da auch nur *irgendwas* zu hinterfragen, kam niemandem in den Sinn.

Auch als man der Welt die sagenumwobenen Massenvernichtungswaffen Husseins nicht präsentieren konnte(weil sie schlicht nie existierten), welche man als Grund für die Irak-Invasion angab, kümmerte das unterm Strich keinen Menschen. "Wir bringen dem Irak die Demokratie" reichte uns allen vollkommen aus, um den Massenmord (genau das ist es) zu rechtfertigen und zu vergessen, dass wir von der US-Regierung nach Strich und Faden belogen wurden.
Die dubiosen Geschäfte des ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney mit dem Konzern Halliburton fallen da eigentlich gar nicht mehr ins Gewicht, denn dass Politiker sich kopfüber in den Trog stürzen, solange er in Reichweite steht...("verzögerte Zahlungen" sind definitiv eine feine Sache) kennen wir ja auch in Europa - wenn auch in wesentlich kleinerem Maßstab. Beschäftigt man sich dann noch etwas mit dem Firmengeflecht rund um Halliburton, sollte man als logisch denkender Mensch ein wenig hellhörig werden(spätestens da).
Ohne hier in Verschwörungstheorien abgleiten zu wollen - aber die Historie der amerikanischen False Flag Operationen sollte uns lehren, dass man keinesfalls alles glauben sollte, was einem aufgetischt wird.

Wie kommt es, dass der 11. September beinahe zu einem weltweiten Trauertag mutiert ist, aber 500.000 tote Kinder (seit Beginn des Embargos 1990 - mit Unterstützung der UN) im Irak interessieren keine Sau? Ja, schon klar - natürlich kann man diese Zahl relativieren, unter den Tisch kehren lässt sie sich allerdings nicht.
Seit dem Beginn der US-Invasion wurden knapp 1,4 Millionen Iraker getötet - diese Zahl kann man nicht relativieren. Waren das alles Terroristen? Das will man uns doch nicht ernsthaft glauben machen. Warum hinterfragt das niemand?
Alles wurscht, spielt alles keine Rolle. Ein Drama ist es nur dann, wenn 8 CIA Agenten getötet werden. Ihr wisst schon - das sind jene Agenten, welche in geheimen Lagern foltern, um an Informationen zu gelangen. Jene Agenten, die sich an den Verhörmethoden der Nazis orientieren, um an ihr Ziel zu kommen. Jene Agenten, welche die Kinder von untergetauchten, mutmaßlichen Terroristen entführen, um ihre Väter aus dem Versteck zu locken.

Falls ihr euch jetzt denkt "Hey, geht mich nichts an - ist alles weit weg" - FALSCH.
Schaut euch mal um in der EU, wie sie sich seit 2001 verändert hat - und sich noch immer verändert. Wie Innenminister und der Europäische Rat unsere Grundrechte vergewaltigen.

  • Vorratsdatenspeicherung
  • Nacktscanner
  • Bankdatenaustausch
  • IMSI-Catcher (für verunglückte Bergsteiger - eh schon wissen)
  • Videoüberwachung
  • pauschale Verdächtigungen(zückt doch mal in London eure Digicam)

Alles nicht so tragisch, solange wir Abends unsere Wurstsemmel vor dem Fernseher mit einem Bier runterspülen können, weil: was sollen WIR schon dagegen unternehmen?
Wenn uns in 10-15 Jahren unsere Kinder und Enkelkinder fragen "Papa, warum habt ihr das zugelassen?", können wir wohl nur mit den Schultern zucken und verlegen herumstammeln.

Allzu laut aussprechen solle man derartige Gedankengänge freilich nicht, sonst kommt umgehend jemand an und faselt mit erhobenem Zeigefinger etwas von "Antiamerikanismus". Allerdings nur hier in Europa, denn zwischen 65% und 70% der Amerikaner sehen das genauso und hinterfragen/kritisieren schon lange die Machenschaften ihrer Regierung und der Militärs.
Das hat mit Antiamerikanismus nicht das Geringste zu tun - wenn man irgendwann mal aufhört, Dinge zu hinterfragen und sie so schluckt, wie sie einem vorgesetzt werden, ist man ohnehin nicht mehr zu retten...


7 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

sehr guter post.habs mal in twitter kopiert.

inda hat gesagt…

sehr schön, danke dass du dir immer wieder die mühe machst und uns mit deinen posts erheiterst/erschütterst/uns zum nachdenken brinkst!

Thumbsucker hat gesagt…

@beide: thx, always fishing for compliments ;)

Anonym hat gesagt…

Ja auch ich finde das sehr nachdenklich, aber die Welt ist kein Ponnyhof (zitat Stromberg)

Was nicht heißt das ich das gut heisse.

Aber was sollen die Krümel machen wenn der Kuchen Schimmelt ?

Thumbsucker hat gesagt…

Ist natürlich nicht leicht, etwas zu bewirken. Zumindest nicht für den Einzelnen.
Aber viele Krümel ergeben auch wieder einen Kuchen. Wenigstens kann man versuchen, den Menschen das ins Bewusstsein zu transportieren und die Politiker bei den nächsten Wahlen für ihr Verhalten abstrafen.

Leider sind wir halt an einem Punkt, an dem man nur noch das geringere Übel wählen kann, denn es gibt kaum Alternativen.

Anonym hat gesagt…

Sich dagegen zu wehren oder es wenigstens zu hinterfragen erfordert aber auch einen gewissen grad an Bildung!
Meine Freundin z.b. Übertrieben taffe geschäftsfrau, natürlich auch schlau aber ihr ist das alles relativ egal weil Politik und die Wirtschaft an sich sie einfach nicht interessiert. Genauso habe ich Freunde die Geld machen wie sau aber noch nicht mal richtig erklären können was Zinsen sind. Aber ich denke wirklich das sich hier in den nächsten Jahren was verändern wird weil die die was verändern wollen sich immer und immer enger zusammen Horten....und wenn's noch 20,30 oder 40 Jahre dauert, irgendwann lässt sich das keiner mehr bieten!
Wenn wa uns nich vorher alle in die zurück Steinzeit gebombt haben!

Thumbsucker hat gesagt…

Richtig, du sagst es, das unterschreibe ich Wort für Wort.
Der Bildungsgrad spielt hier natürlich auch eine gewisse Rolle, aber doch eher eine untergeordnete. Genau das, was du beschreibst, beobachte ich in meinem Umfeld ständig.

Das grundsätzliche Interesse an Wirtschaftspolitik und Politik insgesamt ist nicht in ausreichendem Maß vorhanden und zusätzlich werden wir ja auch noch geschickt abgelenkt.
Wirf dem Stimmvieh eine Ausländerdiskussion hin und alles andere ist vergessen. Die Anschläge gestern in Oslo sind das beste Beispiel. Rechte Motivation - interessiert niemanden. Wenn du in irgendeinem Forum deiner Wahl hergehst und als liberaler Mensch darauf aufmerksam machst, dass Gewalt auch von einem christlich fundamentalistischen Rechtsextremisten ausgeht, wirst du dafür verbal gesteinigt.

Der Blick über den Tellerrand ist irrsinnig schwer, vor allem, wenn ständig Lückenbüßer präsentiert werden.

 
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