HowTo: Blinddarm selbst entfernen - Spiel und Spaß mit dem Skalpell


Am 5. November 1960 verließ das Schiff  "Ob" Leningrad. An Bord war die sechste russische Arktis-Expedition - ein Team bestehend aus 12 Mann sollte eine neue Forschungsstation errichten um dort gleich zu überwintern und machte sich auf die Reise.
Nach 36 Tagen auf See war man am Ziel angekommen, 9 Wochen später am 18. Februar 1961  war die Station mit Namen "Novolazarevskaja" fertig erbaut - gerade noch rechtzeitig, der Polarwinter war schon angebrochen und brachte Monate der Dunkelheit, Schneestürme und vor allem - Einsamkeit.
Das Schiff war bereits wieder abgedampft, Kommunikation mit der Außenwelt gestaltete sich äußerst schwierig bis unmöglich und so war man auf sich allein gestellt.

Teil des Expeditionsteams war der Chirurg Leonid Ivanovich Rogozov. Rogozov hatte eine vielversprechende Karriere unterbrochen und arbeitete vor der Abreise an neuen Methoden der Krebsoperation. Seine Aufgabe innerhalb des Teams war die medizinische Versorgung der anderen Teilnehmer, zugleich versah er auch noch den Dienst des Meteorologen und war Fahrer der Schneeraupen.
Nach einigen Wochen wurde Rogozov krank. Er fühlte sich schlecht, litt unter Müdigkeit, Übelkeit, erhöhter Temperatur und später kamen Schmerzen hinzu. 
Als Chirurgen fiel es Rogozov nicht schwer, eine Blinddarmentzündung zu diagnostizieren. Mangels zweitem Arzt begann er erst mal, sich selbst mit Antibiotika und Schmerzstillenden Medikamenten zu behandeln.
Brachte alles nix, der Zustand Rogozovs wurde immer schlechter, die Schmerzen nahmen immer mehr zu, ihn auszufliegen in ein Krankenhaus war nicht möglich und schnell war klar, dass es nur eine Möglichkeit für ihn gab - sich selbst zu operieren. Eine Operation, die er selbst für nahezu unmöglich hielt - aber er wollte nichts unversucht lassen.
Gegen 20.30 des 30. April 1961 war es dann soweit. Die Schmerzen waren nicht mehr auszuhalten - kurzerhand wurde Rogozovs Zimmer zu einem provisorischen OP-Saal umfunktioniert. Außer seinem Bett, zwei Tischen und einer Lampe wurde alles aus dem Zimmer getragen. 2 Expeditionsteilnehmer - ein weiterer Meteorologe und ein Mechaniker - wurden zu OP-Assistenten ernannt und unterstützten Rogozov dabei, sich selbst den Blinddarm zu entfernen.




Die Aufgaben waren genau verteilt. Einer musste Rogozov die Instrumente reichen, während der Zweite den Spiegel hielt, der es Rogozov ermöglichte, die OP an sich selbst durchzuführen. Bevor es losging, reinigte Rogozov noch selbst die Hände seiner Assistenten und streifte ihnen die Chirurgenhandschuhe über.
Rogozov musste während der Operation immer wieder Pausen einlegen, da er zunehmend schwächer wurde und die OP selbst keine einfache Aufgabe war.



Nach einer Stunde und 45 Minuten war es geschafft - der Blinddarm war entfernt und die Wunde vernäht. Rogozov erklärte seinen beiden Assistenten noch, wie die Instrumente zu säubern sind und wo sie aufbewahrt werden sollten, ehe er eine Schlaftablette nahm, um sich außer Gefecht zu setzen.
Am nächsten Tag fühlte Rogozov sich zwar noch sehr schlecht, aber das Fieber war auf 38,1 gesunken. Bereits 4 Tage später und der Einnahme von Antibiotika fühlte sich Rogozov schon wesentlich besser. Am fünften Tag nach der OP war das Fieber verschwunden und bereits eine Woche nach dieser unglaublichen Operation konnte er sich schon die Fäden aus der Narbe entfernen.
14 Tage nach der Operation konnte Rogozov bereits wieder ganz normal seinen Dienst in der Station verrichten, so als wäre nichts geschehen.

Wer war noch mal Chuck Norris? ;)

Notiz am Rande: Rogozovs größter Sorge während der Operation galt seinen Assistenten, deren Gesichter weißer waren, als ihre Operationskittel...

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2 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

Hehe das ist echt krass. Genau das selbe gab es schonmal bei Lost, Jack Shephard, der einzige Chrurg auf der Insel, hatte auch was am Blinddarm, also haben ihn erstmal zwei Frauen (die eine ehemalige Ärztin) behandelt, Spiegel und Kommandos vom Arzt durften nicht fehlen. Einziger Unterschied: Jack wurde bewusstlos ;)

Thumbsucker hat gesagt…

Ich mag ja "Lost", aber diese Serie ist teils so verwirrend, dass man sich an solche Details oft gar nicht mehr erinnern kann ;)
"Lost - The Final Season" gibt dir dann den Rest ^^

@Jack und bewusstlos: Russen sind härter im Nehmen ^^

 
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