Mach's gut, Futurezone



HeulNicht trägt heute Schwarz und befindet sich in tiefer Trauer. Weit vor all den Schwachsinnigkeiten und Kuriositäten aus der Netzwelt war die Futurezone des ORF jahrelang meine Startseite und das Team rund um Tante Jutta hat mich beim ersten Kaffee schon mit Informationen versorgt.
Als eines der wenigen deutschsprachigen Formate lieferte die Fuzo-Redaktion gut recherchierte, fundierte und international hoch geschätzte Artikel zu brisanten Themen und nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Damit pinkelte man nicht nur Parlamentariern ans Bein, sondern auch den Printmedien, die in diesem Bereich nichts auch nur annähenrd qualitativ Gleichwertiges zu bieten hatten.
Damit ist nun Schluss, denn die Futurezone geht heute offline.
Das neue, vom Parlament beschlossene ORF-Gesetz sieht die Schließung der Futurezone vor und kastriert die Online-Berichterstattung des österreichischen Staatsfunks auf ein inakzeptables Maß.
Themenbereiche wie "Überwachungsstaat", "SWIFT", "Vorratsdatenspeicherung", "Urheberrecht" und das dazugehörige Treiben der EU-Politiker überlässt man nun dem Standard und dem Kurier(welcher die "Futurezone" ersteigert hat), welche bis dato allerhöchstens durch Belanglosigkeit und Mainstream glänzten. Natürlich profitiert auch der ORF davon. Vom "Scheiß Internet" ohnehin nicht sonderlich angetan, entledigt man sich für ein fettes Plus an Werbeeinnahmen nur allzu gerne des Klotzes Namens Futurezone sowie ihrer unbequemen "Special Interest" Leserschaft und beschneidet den Informationsgehalt des Online-Angebots massiv. Doch nicht nur die Futurezone ist davon betroffen. Alle Angebote des ORF, welche nicht "sendungsbegleitend" sind, werden abgedreht. Der letzte Rest an Onlineinformation wird nicht länger als 7 Tage zur Verfügung stehen und sämtliche Foren werden abgedreht.
Well done, das hat man sich gut ausgeschnapst. Politiker und ORF-Spitze sind sich wohl darin einig, dass qualitativ hochwertiger Online-Journalismus in Österreich nichts zu suchen hat und befördert das einst hervorragende Nachrichtenportal zurück in die Steinzeit.

Was übrig bleibt, ist ein schaler Geschmack im Mund und die Kündigung der Zwangsgebühren, denn der ORF hat sich somit nicht nur im TV, sondern auch online zu einem vollkommen entbehrlichen Produkt entwickelt, dessen Förderung mit Rundfunkgebühren man nicht weiter unterstützen sollte - was man nicht konsumiert, braucht man auch nicht zu bezahlen - der ORF kommt schließlich seinem Bildungs/Informationsauftrag auch nicht mehr nach, lasst die GIS-Mitarbeiter doch an euren Türen klingeln.
Auch ein Boykott der verantworlichen Printmedien wäre angebracht. Kurier und Standard (welche ich hier absichtlich nicht verlinke) für ihr Treiben abzustrafen, wäre imo mehr als eine Sympathiebekundung an die Futurezone - es wäre ein Fingerzeig mündiger Bürger, welche sich gegen die fortschreitende, EU-weite Verdummung zur Wehr setzen und die Verursacher nicht weiter fördern mit Visits und dem Kauf der Printausgabe. Gerade Österreich sticht heraus als journalitisches Niemandsland und glänzt durch den Mangel an Qualitätsmedien - vor allem im Printbereich. Dass dieser notwendige Boykott utopisch ist, darüber braucht man allerdings nicht zu diskutieren, denn das Volk will es nicht anders.

In diesem Sinne - liebe Futurezone, liebe Tante Jutta, liebes Redaktionsteam: Danke für jahrelange, hervorragende Berichterstattung. Danke für eure Mühen und danke für das Ertragen unseres Gespammes. Danke für das zensurfreie Erdulden unserer schwachsinnigen Kommentare in den Apple Diskussionen ;-) Danke auch für eure Beteiligung an diesen Diskussionen, das hat heutzutage wirklich Seltenheitswert.
Ich hoffe, man liest sich. Irgendwo.

Futurezone: Down By Law


2 Responses So Far:

Halloween hat gesagt…

Das Internet wir immer mehr reguliert werden siehe dir mal den Bericht mit den Zukunftprognosen für das Jahr 2015 an youtube.com/watch?v=iK-RPULddgQ
Schon erschreckend.

Thumbsucker hat gesagt…

Ich befürchte auch, dass uns da einiges bevorsteht und das Web wie es jetzt existiert, in ein paar Jahren Geschichte ist.
Guck dir mal an, was die Amis mit ACTA durchsetzen wollen. Das ist nichts weiter, als internationalisiertes US-Recht verfasst von Lobbyisten und geheim verhandelt und uns demnächst auf's Auge gedrückt.
Oder Frankreich - Sarkozy wütet mit Hadopi und will Three Strikes in der gesamten EU durchsetzen.

Das Problem ist - es interessiert halt viel zu Wenige. Die werden alle erst jammern, wenn es zu spät ist.

THX für den Link, diese Sendung hatte ich nicht gesehen.

 
Real Time Web Analytics