Festplattennepp der Austro Mechana


Deutsche Läden sowie Onlineversandhändler sollten sich rüsten, denn künftig dürfte ihnen etwas mehr Geschäft blühen, als bisher - viele Österreicher(ich ganz bestimmt) werden fortan ihre Festplatten bei unserem großen Nachbarn bestellen.
Der Grund dafür? Mal wieder die Raffgier einer Verwertungsgesellschaft - der Austro Mechana.

So nebenbei hat man beschlossen, die Preise für Festplatten ab 1.Oktober 2010 empfindlich zu erhöhen - nämlich um 12-36€ pro Stück. Man beruft sich dabei auf das (natürlich absolut zeigemäße) Modell der "Leerkassettenvergütung" aka Urheberrechtsabgabe. Diese wurde in Österreich 1982 eingeführt und bezog sich - wie der Name schon sagt - noch auf Audiokassetten.
Das 1:1 Umlegen dieser Abgabe auf digitale Speichermedien sollte man bei Gelegenheit mal in Frage stellen, aber mit der Novellierung ist man in Österreich nur schnell, wenn es um das Sicherheitspolizeigesetz geht (denn das hat man eiligst bei Nacht und Nebel beschlossen, damit nur ja niemand dagegen aufbegehren kann), sonst beruft man sich gerne mal auf Gesetze aus des Kaisers Zeiten.

Begründet wird die "Leerkassettenvergütung" auf Festplatten mit der theoretischen Annahme, dass auf viele Festplatten der Österreicher legale Privatkopien urheberrechtlich geschützter Werke wandern - für diese möchte man die Künstler natürlich entschädigen - ja, genau.
Hier mal ein Auszug aus einem Bericht des Parlaments bezüglich der Einnahmen aus der Leerkassettenvergütung aus dem Jahre 2002, damit wir uns ein ungefähres Bild über die Summen machen können, über die wir hier sprechen (und die künftig wohl empfindlich nach oben steigen dürften):

Der Bericht, der noch in Schillingbeträgen operiert, weist darauf hin, dass die Gesamterträge aus der Leerkassettenvergütung im Zeitraum von 1982 bis 1990 erheblich, nämlich von 17 Mill. S auf 132 Mill. S angewachsen sind. In der Folge ist es durch Marktsättigung zu einem Absinken der Einnahmen bis auf 95 Mill. S gekommen, seither pendeln die Erträge um diesen Wert. Im Jahr 2000 wurden rund 97 Mill. S an Einnahmen verzeichnet. Nicht zuletzt haben auch die seit 1998 eingehobenen Vergütungen für Computer CD-ROM zu einer weitgehenden Stabilisierung der Einnahmen geführt, erinnert der Bericht. 

Im Jahr 2000 hat man also 97 Millionen Schilling(7,05 Millionen €) allein durch die "Leerkassettenvergütung" eingenommen - was imo nicht wenig Geld ist für ein kleines Land wie Österreich. Mittlerweile dürfte diese Summe um einiges höher sein, denn der Absatz von Leermedien steigt ja permanent. Leider konnte ich keine Quelle finden, in der belegt wird, ob und wie dieses Geld dann auch an die Künstler (denen ich das Geld eigentlich ja auch gönnen würde und für die es bestimmt wäre) weitergeleitet wurde. Wenn man hier die USA und ihre Rechteverwerter als Beispiel hernimmt, dann wurde vermutlich gar nichts weitergegeben, denn dort wird die legalisierte Mafia mittlerweile schon kräftig von einigen Stars verklagt, eben weil diese noch nie auch nur einen Cent aus dem Topf der Urheberrechtsabgabe gesehen haben.

Besonders bezeichnend finde ich hier mal wieder, dass man mir quasi unterstellt (und automatisch davon ausgeht), dass ich auf meinen Festplatten Kopien von Mp3s horte, die urheberrechtlich geschützt sind. Wie sieht es da eigentlich bei Firmen aus - Betriebe mit 50-100 Workstations und mehr werden wohl kaum urheberrechtlich geschütztes Liedgut auf ihren Betriebsrechnern speichern, dürfen die Leerkassettenabgabe aber dennoch bezahlen? Tolles Geschäftsprinzip.
Noch frecher sind nur noch die Gebühren der Öffentlich Rechtlichen Sendeanstalten in Deutschland und Österreich, die schon allein dann kassieren dürfen, wenn man ein rundfunkempfangstaugliches Gerät im Haushalt stehen hat.

Was mich bei der Leerkassettenvergütung ein wenig verwundert: Eine Privatkopie eines legal erstandenen Albums ist gesetzlich erlaubt. Mit dem Kaufpreis habe ich bereits die Urheberrechtsabgabe bezahlt.
Ein Kaufpreis von 15€ schlüsselt sich wie folgt auf(Beispiel Deutschland):

3,00 € Handel
3,45 € Vertrieb
0,60 € Herstellung

2,10 € MWST (ist was höher geworden)
0,90 € GEMA Schutzgebühr (trotzdem muss man sich als "Raubkopierer" bezeichnen lassen, wenn man legale Privatkopien macht)

3,90 € ans Plattenlabel
1,05 € an die Künstler - sagen wir es ist ne Band mit 5 Mitgliedern (was keine ungewöhnlich hohe Zahl ist) dann bekommt jeder der Künstler 21 Cent pro verkauftem Album, für das der Kunde 15 € hinblättert...

Nun habe ich also meine Gebühren schon entrichtet. Der Gesetzgeber räumt mir das Recht auf eine Privatkopie ein(was den Rechteverwertern natürlich ein Dorn im Auge ist). Und für diese Privatkopie muss ich also nochmals Gebühren entrichten? Ich bezahle ja für mein Mittagessen auch nicht 2x - wenn ich es esse und wenn es wieder rauskommt auf dem einen oder anderen Weg. Wenn ich also etwas käuflich erwerbe, warum soll ich dann ein zweites Mal dafür bezahlen?
Ich bin ja schon gespannt, was uns dann erst alles mit ACTA blüht, denn dieses plurilaterale Handelsabkommen zwischen den USA, der EU und zahlreichen weiteren Ländern ist nichts weiter als internationalisiertes US-Recht geschaffen von Lobbyisten und durchgeboxt von der US-Regierung (die im Erpressen ja ganz große Klasse ist, wie wir erst diese Woche wieder lesen durften), folglich hat uns die US-Musiklobby ordentlich bei den Eiern.

Wisst ihr was? Ihr könnt mich. Und so wie ihr mich könnt, könnt ihr auch viele Andere, die sich nicht mehr neppen lassen von euch geldgierigen Erpressern. Schmiert euch eure Speichermedien in die Haare - ich bekomme sie wo anders weit günstiger. Der Handel kann sich bei euch bedanken, denn der wird rückläufige Absatzzahlen in einigen Warengruppen vorweisen.

Leerkassettenabgabe my ass. Zieht das Geld für euren neuen Benz Anderen aus der Tasche.


5 Responses So Far:

Halloween hat gesagt…

Was du in deinem Bericht nicht beachtest ist, das du auch in anderen Ländern wie Bspw. in Deutschland auch für Daten und andere Güter mit denen du Multimedia Inhalte aufzeichnen kannst wie DVD-RW HD-Recorder etc. auch zur kasse gebeten wirst. Hier heist es nur GEMA Gebühr. Auch die zieht schön das Geld aus den Taschen der Nutzer. Das geht sogar so weit, dass Mitarbeiter der Behörde in Kiosken und Lokale geht und Inhabern die eine CD dort abspielen mit hohen Bußgeldern drohen oder gleich abkassieren, da dies einer öffendlichen Vorführung entspräche. Toll wie einfach man doch Geld verdienen kann, wenn man weiss wie ;-).

Thumbsucker hat gesagt…

Das stimmt natürlich. Klar gibt es auch in Deutschland und anderen Ländern Abgaben auf Speichermedien, allerdings sind von jeher viele Artikel in Deutschland weit billiger als in Österreich.

Bei externen Festplatten zum Beispiel gibt es zwischen DE und AT Unterschiede bis zu 30€. Da lohnt es sich doch, mal wieder ein wenig die nachbarschaftlichen Kontakte zu pflegen und ein wenig Geld in Deutschland zu lassen ;)

Anonym hat gesagt…

wusst eich doch das du da was schreiben wirst :)

tjaaa, jetzt kommen aber noch ein paar Gags dazu:

1. Man kann die Leerkassetenvergütung zumindest bei Rohlingen zurückfordern, man muss lediglich angeben das man sie ausschließlich zur Datensicherung etc eingesetzt hat. Folgedessen...wer soll das dann bitteschön wie kontrollieren ? Kommt da jemand zu mir und guckt was ich auf den Rohlingen respektive jetzt den Festplatten habe ? Das glaube ich nicht Tim...NIEMAND aus dem Verein hat das Recht das zu tun.

2. Die Abzocker sin dja nicht auf der Nudlsuppn dahergschwommen, die grossen und bekannten Händler ->dretschler, amazon schicken ja schon laaaaaaaaaange keine Rohlinge mehr nach Österreich, das wird mit Festplatten nicht anders sein. Schließlich müsste der Händler diese Gebühr dann entrichten. Klagen gabs ja afaik beiderseits, man hat sich auf den freien Warenverkehr innerhalb der Eu berufen,blablabla, das Körberlgeld lässt man sich aber nicht nehmen -.-
Wohl dem der entweder jemanden im Ausland kennt oder an einer Grenze wohnt.
Wie ich schon mal irgendwo gelesen habe...man wird wohl bald neben paar Stangen Tschick wohl eher 2TB Platten schmuggeln und sie dann hierzulande mit ein wenig Gewinn,aber eben immer noch billiger als hier im Handel weiterverkaufen :D

Thumbsucker hat gesagt…

Ich kenne tatsächlich jemanden, der die Ura schon mal zurück erstritten hat - aber frage nicht, was das für ein Kampf gewesen ist und wie lange das gedauert hat - aber als Prinzipienreiter wollte er es einfach mal drauf ankommen lassen und veruchen, wie das so vor sich geht. Der Aufwand war natürlich die Rückerstattung nicht wert, aber immerhin - er hat sich durchgesetzt ;) Ich werde ihn bei Gegegenheit mal bitten, mir die Story als Gastartikel zu schreiben, vielleicht hat er ja Lust darauf.

Yep, stimmt - Amazon&Co verschicken schon ewig keine Rohlinge mehr nach Österreich. Aber je nachdem wo man wohnt, lohnt sich alle 5-6 Monate mal ein kleiner Ausflug nach Passau. Wenn man ein paar "Bestellungen" von Freunden sammelt, spart man einen Haufen Geld. Wobei die Vorstellung eines Schwarzmarktes für Festplatten und Rohlinge auch ganz witzig ist.
Vermutlich werden bald seltsame Gestalten an dunklen Hausecken ihre langen Mäntel aufhalten und flüstern "Heh, psst - Oida, brauchst a Festplottn?" ^^

HP klagt ja jetzt gegen diese Abgabe - bin schon gespannt, wie das Gericht entscheidet.

Anonym hat gesagt…

Eh klar das HP als einer der grössten Storage Anbieter da was dagegen hat. keine Ahnugn wie das da geregelt ist, also angenommen ich kaufe mir ne Storage mit sagen wir 500TB (gespiegelt, also physikalisch 1PB) muss man dann hier auch diese Abgabe zahlen ? und wer zahlt die dann ?

 
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