Ohne Krankenversicherung in Österreich


Seit meinem Artikel über das Leben ohne Krankenversicherung in den USA landen sehr viele Leser auf meinem Blog, die auf der Suche nach ärztlicher Behandlung in Österreich und Deutschland sind, aber offensichtlich über keine Krankenversicherung verfügen. Nun habe ich versucht, mich in den letzten Wochen ein wenig schlau zu machen und zu diesem Zweck mit der Bitte um Information an verschiedene Behörden und Ämter in Deutschland geschrieben - ohne jedoch richtige Resonanz zu erhalten.
Das zeigt einmal mehr, dass man sich von behördlicher Seite dieser Problematik entweder nicht bewußt ist, oder sie ignoriert.
Das Thema "Keine Krankenversicherung" betrifft längst nicht mehr nur Asylanten, Asylantragsteller, Obdachlose oder ähnliche Extremfälle, sondern durchaus auch die arbeitende Bevölkerung. Selbständige, welche schlicht zu wenig einnehmen, um sich weiterhin die Beiträge leisten zu können, fallen genauso in diese Gruppe wie Menschen in problematischen Arbeitsverhältnissen. Laut Armutskonferenz sind allein in Österreich ungefähr 100.000 Menschen nicht krankenversichert, was bei einer Einwohnerzahl von knappen 8,4 Millionen nicht gerade wenig ist.

Gleich vorweg: Das Angebot für Unversicherte ist alles andere als berauschend. Bei akuten Notfällen stellt sich die Frage ohnehin nicht - ruft den Notarzt, geht in die Ambulanz eines Allgemein Öffentlichen Krankenhauses - dort muss man euch behandeln, wenn ihr in einer lebensbedrohlichen Situation seid, ohne wenn und aber. Über die Kosten könnt ihr euch noch immer den Kopf zerbrechen, wenn ihr über den Berg und wieder gesund seid. Hierzu unbedingt die Scham überwinden und an das zuständige Sozialamt wenden, man wird euch dort helfen so gut es irgend möglich ist bzw. wenn die Rahmenbedingungen passen, die Kosten für euren Krankenhausaufenthalt übernehmen. Sollte dies nicht der Fall sein, wird wohl kaum ein Krankenhaus einem vernünftigen Zahlungsplan nicht zustimmen.
Besser allerdings ihr wartet nicht so lange zu, sondern versucht schon im Vorfeld mit dem Sozialamt derartige Angelegenheiten zu klären, um im Fall des Falles zu wissen, welche Optionen ihr nach einem Krankenhausaufenthalt habt.

Solltet ihr eine "einfache" ärztliche Behandlung oder Medikamente benötigen, wird es schon ein wenig komplizierter, denn dann bleibt euch eine kleine Reise nicht erspart - außer ihr lebt in Wien.
Eine Anlaufstelle für Kranke ohne Versicherung gibt es nicht in jedem Bundesland Österreichs. Hierzu müsst ihr euch auf den Weg nach Wien machen.
Amber-Med bietet ambulant medizinische Versorgung, soziale Beraung und Medikamente für Menschen ohne Krankenversicherung in Österreich, ist eine Initiative des Flüchtlingsdienstes der Diakonie und besteht aus ehrenamtlichen ÄrztInnen, TherapeutInnen, AssistentInnen und DolmetscherInnen, die jedem - egal welcher Herkunft - medizinische Grundversorgung und darüberhinaus soziale Beratung bieten. Beim Amber-Med werdet ihr also nicht nur kostenlos (und das sollte man wirklich schätzen) behandelt, man hilft euch auch in sozialen Belangen weiter, so dass ihr unter Umständen wieder zu einer eigenen Krankenversicherung kommt.
Hier findet ihr Amber-Med:
Adresse: Oberlaaer Straße 300-306, 1230 Wien (Google Maps)
Telefon: 01/589 00 - 847
Amber-Med im Web: amber.diakonie.at
Amber-Med auf Facebook: Amber-Med
Presse-Artikel über Amber-Med: Klick
Die Öffnungszeiten von Amber-Med sind:
Montag: Büro 8.30-16.00, Ordination 8.30-11.30
Dienstag: Büro 8.30-16.00, Ordination an diesem Tag geschlossen
Mittwoch: Büro 8.30-18.00, Ordination 13.10-17.30
Donnerstag: Büro 8.30-18.00, Ordination 8.30-11.30
Freitag: Büro 9.30-15, Ordination an diesem Tag geschlossen
Informationen zur Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln findet ihr hier.
Solltet ihr also krank sein, wendet euch unbedingt an Amber-Med. Natürlich ist die Anfahrt mit etwas Aufwand und leider auch mit Kosten verbunden, die für manche schwer aufzubringen sind - aber es findet sich bestimmt ein Weg, um zu Amber-Med zu kommen. Immer noch besser, als krank, unbehandelt und ohne Medikamente zu Hause auf ein Wunder zu warten.

Noch weniger rosig sind die Aussichten, wenn ihr einen Zahnarzt benötigt. Zahnschmerzen sind die Hölle, die meisten von uns wissen das und ohne entsprechende Behandlung gibt es kaum Abhilfe.
Was man euch raten kann: Geht zu einem Zahnarzt oder in eines der Ambulatorien der österreichischen Krankenkassen. Ihr werdet dort auf jeden Fall behandelt - müsst die Kosten allerdings selber tragen. Was hier oft nützt, ist reden. Ein kranker Zahn gehört unbedingt behandelt, denn unbehandelt kann er schwere Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Vertraut euch dem Zahnarzt an, erklärt ihm eure Situation und bittet um einen Zahlungsplan - eine Ratenzahlung, kaum jemand wird euch das verwehren. Eine Zahnextraktion ist meist nicht teuer, das ist auch für den kleinen Geldbeutel zu bewältigen. Auch ein wenig Bohren inklusive einer Plombe/Füllung kostet nicht die Welt - nette Zanhärzte werden kein Problem damit haben, wenn ihr die Rechnung in 2-3 Raten begleicht - diese solltet ihr dann aber auch wirklich bezahlen, denn sonst tut ihr anderen Menschen ohne Krankenversicherung defintiv keinen Gefallen. Wenn der Arzt auf seinen Kosten sitzen bleibt, hat er garantiert zum letzten Mal jemanden behandelt, der nicht versichert ist /die anfallenden Kosten nicht sofort begleichen kann.

So, das war's für's Erste. Mehr Informationen kann ich euch leider derzeit nicht bieten. Sobald ich Weiteres zu diesem Thema erfahre, werde ich diesen Artikel aktualisieren oder einen weiteren Artikel schreiben.
Solltet ihr schon mal in dieser Situation gewesen sein oder weitere Anlaufstellen für Menschen ohne Krankenversicherung kennen, bitte ich euch, mir diese in einem Kommentar oder per Mail mitzuteilen - ich werde sie dann umgehend dem Artikel hinzufügen.
Schämt euch nicht, nutzt die zur Verfügung stehenden Angebote. Jeder kann mal in Situationen kommen, in denen er auf Hilfe angewiesen ist. Man muss diese auch annehmen und halt ein klein wenig Mühen auf sich nehmen.

Für Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland gibt es in den nächsten Tagen einen eigenen Artikel, hierzu fehlen mir noch ein paar Informationen - auch da wäre ich über Tipps von euch dankbar, welche ich in den Artikel einbauen könnte.

Alles Gute von meiner Seite allen Betroffenen. Heads up und am Ball bleiben, das wird schon wieder :-)


4 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

Hallo, ich wollte nur hinzufügen, dass es in Wien auch das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder im 2. Bezirk gibt, die ebenfalls Menschen ohne Krankenversicherung kostenlos behandeln. Leider gibt es dort keine Unfallambulanz, aber sonst ist fast jede Fachrichtung vertreten.

Thumbsucker hat gesagt…

Hallo, vielen Dank für diese Information!
Pro Woche landen via Suchmaschinen 50-60 Menschen bei diesem Artikel, die offensichtlich keine Krankenversicherung haben, die Info über die Barmherzigen Brüder wird da recht hilfreich sein.
Barmherzige Brüder gibt es auch in Graz, allerdings weiß ich nicht, ob auch dort Patienten ohne Krankenversicherung aufgenommen werden.

Dort gibt es übrigens auch eine Zahnambulanz. Solltet ihr also unter Zahnschmerzen leiden, werdet ihr dort unter Umständen kostenlos behandelt. Anrufen oder hingehen, Situation erklären, um Hilfe bitten.

http://www.barmherzige-brueder.at/content/site/wien/startseite/aktuelles/index.html

Anonym hat gesagt…

In Graz gibt es auch die Marienambulanz, die medizinische Erst- und Grundversorgung für unversicherte Menschen, sowie für Versicherte, die die Schwelle im öffentlichen Gesundheitssystem nicht überwinden können, anbietet.

Keplerstraße 82/1
8020 Graz

http://www.caritas-steiermark.at/hilfe-einrichtungen/fuer-menschen-in-not/gesundheit/marienambulanz/

Candra hat gesagt…

Hallo Zusammen,
Hier sind noch ein Paar Tipps für die Leute Ohne Krankenversicherung.
Ich hoffe, dass die Info hilft.
Candra, Gesundheitslotsin
Hier findet ihr meinen Blog über Gesundheit, Jobsuche, Leben als Migrantin in Wien uvm
http://loving-living-in-vienna.blogspot.co.at/2012/12/mentoring-job-das-leben-als-mentee.html

Louisebus
http://www.caritas-wien.at/hilfe-einrichtungen/menschen-in-not/wohnungslos/mobile-angebote/louisebus/
Der Caritas-Ärztebus "Louise" besucht von Montag bis Freitag verschiedene Plätze in Wien, an denen sich obdachlose Männer und Frauen aufhalten. Ärztinnen/Ärzte sowie ehrenamtliche Helferinnen/Helfer bieten in dieser "mobilen Ordination" medizinische Hilfe an.

Nachtstreetwork
http://www2.gruft.at/unsere-hilfe/
Sozialarbeiterinnen/Sozialarbeiter suchen Plätze auf, an denen sich Obdachlose aufhalten, und leisten u.a. medizinische Erstversorgung bei akuten Verletzungen.

Psychiatrische Betreuung in Einrichtungen für Wohnungslose (PSD Wien)
http://wohnen.fsw.at/wohnungslos/medizin/psd.html
Bietet fachärztliche Beratung und Hilfe für Wohnungslose mit psychischen Problemen bzw. Erkrankungen. Durchführung von Hausbesuchen bzw.Sprechstunden in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe.

Team neunerHAUSARZT
http://www.neunerhaus.at/medizinische-versorgung/team-neunerhausarzt/
Bietet ärztliche Hilfe für die Bewohnerinnen/Bewohner der zehn Einrichtungen der Wiener
Wohnungslosenhilfe.

FEM
http://www.fem.at/
Das erste Gespräch ist kostenlos. Danach muss man nur zahlen wieviel man kann.
Telefonische Anmeldung erbeten.

 
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