Gratuliere, Amerika


Dieser Tage hat die USA erneut einen Rekord gebrochen und einen historischen Höchststand aufgestellt - nämlich in der Zahl der Amerikaner, die ohne Krankenversicherung leben. Die US-Regierung hat also was zu feiern, denn mit Dezember 2010 sind 50 Millionen Amerikaner nicht krankenversichert.
Allein im Jahr 2009 verloren 4 Millionen Amerikaner ihre Krankenversicherung - betroffen sind vor allem jüngere Generationen, von denen 20% nicht versichert sind. In dieser Gruppe wiederum am stärksten betroffen sind Amerikaner zwischen 19 und 29 Jahren - von denen kann ein Drittel nicht zum Arzt gehen.

 Im Gegensatz dazu sind nahezu alle Amerikaner über 65 krankenversichert - nämlich über Medicare, den staatlichen Gesundheitsplan der US-Regierung. Hier macht sich wiederum die 2 Klassen-Medizin bemerkbar, denn der Gesundheitszustand der staatlich versicherten Amerikaner ist dramatisch schlechter, als jender der Privatversicherten.

27% der nicht versicherten Amerikaner haben im Jahr 2010 ihr gesamtes Geld ausgegeben, um Arztrechnungen und Medikamente zu bezahlen - für Miete und Lebenshaltungskosten blieb diesen 27% so gut wie nichts übrig.

Hier mal das Rechenbeispiel einer 2010 arbeitslos gewordenen Krankenschwester:
Während ihres Dienstverhältnisses verdiente sie 4.000$ im Monat - also genug, um sich die Kosten für die Krankenversicherung von 1.800$  leisten zu können - das volle Paket inklusive Dentals (in den USA krankenversichert zu sein, heißt nicht automatisch, dass man auch zum Zahnarzt gehen kann). Jetzt, nach dem Verlust ihres Jobs als Krankenschwester, hat sie 2 Stellen als Reinigungskraft angenommen - 45 Stunden die Woche, 1.300$ monatliches Einkommen. Hinzu kommen 300$ aus dem Teilzeitjob ihres Sohnes, der noch zur Schule geht. Die Krankenversicherung bot ihr an, sie für 1.500$ im Monat weiter zu versichern - was mit 1.600$ natürlich unmöglich ist. Nun wäre da ja Medicare - die staatliche Krankenversicherung. Die greift allerdings nur bei Amerikanern über 65 und bei Amerikanern, deren monatliches Einkommen 32$(!!) nicht übersteigt. Und weil das alles noch nicht genug ist, schuldet die ehemalige Krankenschwester ihrer alten Krankenversicherung 55.000$ für erbrachte Leistungen und ihrem ehemaligen Dienstgeber, dem Krankenhaus, 22.000$ für einen kleinen Eingriff samt Aufenthalt.

Das nennt man doch mal vom Schicksal gefickt. 2014 soll dann die von Obama mit Ach und Krach durchgeboxte Gesundheitsreform greifen, die besagt, dass die staatliche Medicare alle Amerikaner versichert, um ihnen so den Gang zum Arzt zu ermöglichen(das beinhaltet weder Zahnarzt, noch Augenarzt). Ob das auch tatsächlich zutrifft, wenn Obama die nächste Wahl verliert und ein Republikaner (schlimmstenfalls Sarah Palin) ins weiße Haus einzieht, sei dahingestellt.

Bis dahin hat die US-Regierung ihre eigenen Methoden entwickelt, um den Amerikanern zu helfen: man stoppt einfach die Besteuerung der Reichen und hebt die Steuern für die Armen an - das ist der garantierte Weg zum Wohlstand und bald kann sich jeder seine eigene Lebensversicherung leisten.
Selbstverständlich wird auch das Militärbudget nicht angetastet - das ist ein ungeschriebenes Gesetz. Zusätzlich muss man noch mehr Sicherheit garantierten und abermals Unsummen in tausende Ganzkörperscanner an US-Flughäfen investieren - wenn Amerikaner schon sterben, sollen sie gefälligst langsam und ohne ärztliche Betreuung dahinsiechen und nicht von einem bösen Attentäter in die Luft gesprengt werden.

Unbegreiflich ist mir, dass es noch immer Menschen gibt, welche die US-Regierung und die USA als Musterbeispiel für "Erfolg" und "Möglichkeiten" hernehmen. Der American Way of Life ist schon lange Geschichte und der "Amerikanische Traum" hat sich zum Alptraum entwickelt. Bundesstaaten gehen pleite, Kommunen bauen wieder Schotterstraßen, weil das Geld für Asphalt fehlt, die amerikanische Mittelklasse ist bald nicht mehr existent, verliert Jobs, Häuser/Wohungen und lebt in Zelten und die Wirtschaft soll sich erst 2015 nachhaltig erholen. Das demokratische System in den USA(yep, auch bei uns) wird sukzessive abgetragen und Menschenrechte? My Ass.

Jeder, der die USA noch als sein Traumziel für "ein neues Leben" definiert, soll ruhig mal rüberfliegen und ein wenig Realitätsluft schnuppern. Spätestens, wenn man euch in der U-Bahn verhaftet, weil ihr eure Einkaufstüte auf den freien Sitz neben euch stellt, habt ihr die Schnauze voll - mein Wort drauf  ;-)


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