How To: Konserviere dich selbst - Selbstmumifizierug


Die Selbstmumifizierung oder auch Sokushinbutsu ist wohl eines der bizarrsten Rituale, die sich Menschen bisher einfallen ließen, um sich selbst ins Jenseits zu befördern. Sokushinbutsu hat ihren Ursprung im Buddhismus und wurde als Weg verstanden, durch extreme Schmerzen und Selbstverleugnung ins Nirvana zu gleiten, um dort Teil des Buddha zu werden.



Die Selbstmumifizierung findet in 3 Etappen statt, von denen jede 1000 Tage dauert.
Während der ersten tausend Tage gibt es mal eine ordentliche Diät. Verzehrt werden nur Nüsse und Samen. Um sich noch ein wenig mehr zu quälen, setzt man sich zeitgleich enormen körperlichen Strapazen aus, wie zum Beispiel dem stundenlangen Meditieren unter eiskalten Wasserfällen. Dass man ordentlich an Körpergewicht verliert, wenn man sich 1000 Tage lang nur von Nüssen und Samen ernährt, könnt ihr euch ja vermutlich vorstellen.


Nun folgen die zweiten 1000 Tage. Die Diät wird verschärft. Nüsse und Samen sind nicht mehr, stattdessen gibt es lecker Rinde und Wurzeln von Nadelbäumen. Yammi. Das führt zu einer extremen Abmagerung und zu einer starken Entwässerung des Körpers. Gegen Ende dieser 1000 Tage beginnt man, einen giftigen Tee, gebraut aus dem Saft des Urushi-Baumes(auch als Lackbaum bekannt), zu trinken. Der Saft dieses Baumes wird normalerweise dazu verwendet, Schüsseln, Teller und Möbel zu lackieren. Im Falle dieser Diät jedoch bewirkt er Erbrechen, verstärktes Urinieren und verstärktes Schwitzen, um den Körper weiter zu entwässern.
Zusätzlich soll dieser Tee den menschlichen Körper zu giftig machen, um von Maden gefressen zu werden.


Nun beginnen also die dritten 1000 Tage. Hierzu wird man in eine Gruft eingeschlossen, die kaum größer ist, als der eigenen Körper. Verbindung mit der Außenwelt gibt es nur über eine Luftröhre und eine Glocke, die Gruft wird versiegelt. Jeden Tag wird die Glocke vom eingeschlossenen Buddhisten geläutet, um den anderen außerhalb mitzuteilen, dass er noch am Leben ist. Ertönt eines Tages kein Klingeln mehr, wird die Luftröhre entfernt und die Gruft endgültig versiegelt. Danach wird gewartet, bis die letzten 1000 Tage um sind. Anschließend wird die Gruft geöffnet, um zu sehen, ob die Selbstmumifizierung erfolgreich war.
Hat es geklappt, wird die Mumie ausgestellt und als Buddha verehrt, der den Weg ins Nirvana gefunden hat.
Meist aber ist das gründlich in die Hose gegangen.


16-24 Fälle sind bisher bekannt, in denen die Selbstmumifizierung auch geklappt hat.
Naja. Eine gute Diät ist es allemal.
Da lobe ich mir die Russen. Die befördern sich schneller ins Jenseits - und meist auch noch weit spektakulärer ;-)


6 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

Ich frage mich ernsthaft wie du nur immer an solche interessanten Informationen und Phänomenen kommst!? Hast du bestimmte Quellen/Foren/Blogs... ? ^^

Thumbsucker hat gesagt…

Naja, ich bin ein Informationsjunkie, gucke gerne Dokus und lese viele Bücher. Wenn ich wo über ein interessantes Phänomen stolpere, werfe ich die Suchmaschinen an und ziehe mir alle Infos rein, die ich darüber finde. Wenn das Thema dann auch noch blogtauglich ist, gibt's nen Artikel dazu ;)

MarsTheMars hat gesagt…

Bei solche Dinge frage ich mich immer wie die Leute drauf gekommen sind? Fast neun Jahre Quälerei! Auf jedem Fall, sehr interessantes Thema!

Kane hat gesagt…

Zunächst einmal, typisch JAPANER!!

Die glauben ja daran, das man der ewigkeit nur als Mensch am einfachsten entkommen kann, alles andere wäre viel schwieriger und man würde im Strudel der ewigkeit gefangen.

Also die haben sich geopfert um nicht mehr wiedergeboren zu werden, damit sie ins Nirvana hinübergleiten können... Oh mann....

Ich denke mal das Ruhm und Ehre auch nicht wenig damit zu tun hatte, da man ja die möglichkeit hat bei erfolg zusätzlich noch als ein "BUDDHA" angehimmelt zu werden...

Ich denke mal das der Ruhm die Leute eher angeprangert hat, als das Nirvana, wenn man bedenkt, aufgrund welcher nichtigkeiten man in Japan das rituelle Selbstmord begangen hat...

Dagegen ist dieses Motiv ja das nachvollziehbarste was es gibt.

Kane hat gesagt…

Also dieses "typisch Japaner" bedeutet nicht, das ich denen ihre Religion, Kultur, etc. verachte.

Sondern einfach nur, das die Japaner immer geil auf Selbstmord waren und zum Teil noch sind.

Über alles andere hat Thumbsucker ja schon viel berichtet und gezeigt ;)

Jaaaa das wäre doch mal was, vielleicht bringst du mal interessante Thesen über bräuche und rituale der Japaner im Mittelalter, ich finde das das auch sehr interessant ist und für unsereins kaum nachvollziehbar...

Alleine die Sitten und bräuche... oh ja, bestimmt eine Oase an kuriositäten!

Thumbsucker hat gesagt…

Morgen kommt was über Harakiri - heute war mal der Junge in der Blase dran, damit es hier nicht nur um Selbstmord geht;)

Aber ja, die Japaner bieten noch eine Menge Stoff. Allein mit den Japanern und den Russen könnte man ein eigenes Blog füllen ^^

 
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