Seppuku - die Kunst, sich selbst zu töten


Seppuku (oder Harakiri) ist eine Art der rituellen Selbsttötung und hat ihren Ursprung in Japan.
Hatte ein Mann(Samurai) wegen Pflichtverletzung sein Gesicht verloren, konnte er mit dem rituellen Selbstmord immerhin die Ehre seiner Familie wieder herstellen, auch wenn ihm das selbst nicht mehr viel brachte.
Harakiri - Hara steht für "Bauch", "Kiri" steht für schneiden,  konnte aber auch als Strafe für einen Gesetzesverstoß verhängt werden.



Das Harakiri folgte einem ganz bestimmten Ritus. Der Verurteilte saß im Schneidersitz(Seiza) und nahm ein in Papier gewickeltes Kurzschwert(Wakizashi) zur Hand. Mit diesem schnitt er ungefähr 6cm unterhalb des Bauchnabels ins Fleisch - und zwar von links nach rechts und anschließend noch eine Aufwärtsbewegung.
Dieser Schnitt hatte zur Folge, dass die Aorta, also die Hauptschlagader, dabe angeschnitten oder komplett durchtrennt wurde. Eigentlich eine humane Art zu sterben - relativ schmerzfrei, denn der Blutdruck sinkt dabei rasch ab und man verliert sehr schnell das Bewußtsein.


Mut brauchte man aber dennoch - und zwar eine ganze Menge.
Praktiziert wurde Seppuku von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins Jahr 1868, ehe diese Art der Selbsttötung verboten wurde - was aber keinesfalls bedeutet, dass Seppuku nicht auch heute noch praktiziert wird. In Kreisen der Yakuza, der japanischen Mafia, kommt Harakiri auch heute noch gelegentlich vor.
Wenn Mitglieder der Yakuza gegen den Kodex ihrer Verbrechensorganisation verstoßen haben, wird ihnen manchmal die Möglichkeit gegeben, sich mit Seppuku selbst zu richten und somit ihre Familie zu retten.
Die Yakuza gelten als die weltweit einflussreichsten Verbrechensorganisationen mit vielen Mitgliedern - auch in Europa, wo sie vorwiegend in Amstardam und Paris anzutreffen sind.

Die Yakuza haben im Laufe der Zeit eine eigene Sprache entwickelt - einen Geschäftsjargon, mit dem sie kommunizieren. Das öffentliche Bekenntnis zur Yakuza ist seit 1993 unter Strafe gestellt, weswegen die Mitglieder der verschiedenen Organisationen ihr Business heute gut getarnt als Geschäftsmänner aus dem Hintergrund verrichten. Innerhalb der japanischen Gesellschaft bilden die Yakuza eine sehr einflussreiche Gesellschaft - vor allem im Banken- und Immobiliengeschäft.
Entgegen der herkömmlichen Meinung, vielen Berichten und dem Plot diverser Hollywood Movies sind die Yakuza allerdings eine sehr disziplinierte Organisation, für die Gewalt als der allerletzte Ausweg gilt.  Die Yakuza versuchen, Ungereimtheiten oder Zerwürfnisse am Besprechungstisch zu klären und ihre Ziele mit Bestechung zu erreichen. Die "Geschäftszweige" der Yakuza, illegale Prostituion, Glücksspiel, Vermitteln von Arbeitskräften, Kreditvergabe und Drogenhandel laufen meist vollkommen Gewaltfrei ab, selten kommt es dabei zu Verletzungen oder gar zu Toten.
Die größte Gruppe unter den Yakuza sind die Yamaguchi-gumi mit 20.000 Mitgliedern.


Eine ehrenwerte Gesellschaft also, mit sehr vielen Mitarbeitern. Einer der größten Arbeitgeber der Welt.
Die Geschichte der Yakuza allein würde für eine komplette Artikelreihe ausreichen. Sehr interessantes Thema mit unendlich vielen Informationen im Web und in Büchern.


7 Responses So Far:

Kane hat gesagt…

Jaa, das sind doch schon mal die ehm, saubereren Sachen um Japan, das sind doch mal Sachen wo man sagen muss, das die Leute damals richtig Mumm hatten und einen verdammt starken Willen!

Ich finde es nur traurig, was aus den Nachfahren dieser Leute geworden ist, die würden sicherlich nochmal Seppuku begehen, wenn die sehen würden, wie ihre Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel heute Leben!

Vielleicht können sich unsere Politiker mal ein Beispiel daran nehmen, was politische Fehlentscheidungen die Japaner damals gekostet hat!! Und dann mal kurz in sich hinein gehen und überlegen, wie viele Seppukus man selbst damals machen müsste um zumindest den eigenen Namen wieder reinzuwaschen!!

Thumbsucker hat gesagt…

Wenn unsere Politiker sich daran ein Beispiel nehmen würden, wären die Parlamente leer ^^

MarsTheMars hat gesagt…

der letzte bekannte Seppuku war den von Yukio Mishima in 1970. Er hatte dabei ein Kaishaku-Nin(ein art Gehilfe) der him an einem bestimmte Moment den Kopf abschlagen müsste um den Seppuku noch ehrenhaffter zu machen. Aber da war es nicht einfach mit abköpfen, der Kopf sollte nicht abgetrennt werden, sonst wäre es wie eine Hinrichtung gewesen! Und wenn ein Kaishaku-Nin sein Job nicht richtig gemacht hatte, mußte er auch Harakiri machen!
Die Japaner und die Ehre: man könnte denken daß sie übertreiben aber mindenstens haben sie eine!

Anonym hat gesagt…

erm, bitte richtig recherchieren, hier fehlt alles über den "Sekundanten", den Kaishaku-Nin, dieser hatte die Aufgabe den Samurai der sich das Leben nimmt zu erlösen sobald der Kopf vornüber kippt. Es war auch erlaubt das das "beinaheköpfen" erfolgt bevor überhaupt ein Schnitt angesetzt wurde.

Der begriff Harakiri wird in Japan afaik garnicht benutzt, er setzt das Ritual herab.

Weiters hab ich persönlich noch nie gehört das Seppuku bei den Yakuza eine Rolle spielt, wohl eher Yubitsume, das abtrennen von Fingern/gliedern wenn man eien Fehler begangen hat.

ZUm Punkt Öffentlichkeitsbekenntnis der Yakuza, in Japan gibt einen grossen Absatzmarkt für natürlich aussehende Fingerprothesen, viele Exyakuza wollen so nicht weiter auffallen wenn sie ausgestiegen sind. Die Tattoos dagen lassen sich nciht so einfach entfernen, wobei die richtig grossen Ganzkörpertattos nicht mehr jeder hat, das war einmal

MarsTheMars hat gesagt…

@ Anonym, bitte richtig lesen, hier fehlt nicht so vile du es behauptest---> "der him an einem bestimmte Moment den Kopf abschlagen müsste " = sobald der Kopf vornüber kippt. ich wollte einfach nicht den Klugscheißer spielen! Und es gibt noch viel was du persönlich nicht kennst! Da du so gut am recherchieren bist, weisst du wer geagt hat:" Zuviel Klugscheißerei verdirbt den Verstand"? viel Spaß beim googeln!
P.S.: ein Pseudonym ist immer besser als Anonym!

Thumbsucker hat gesagt…

@Anon: Weder will ich komplette Wikipedia-Artikel hier reinkopieren, noch studiere ich Japanologie ;)

Ich behaupte auch nicht, dass Seppuku bei den Yakuza "eine Rolle" spielt, sondern dass es vereinzelt auch heute noch vorkommt(zwischen 2005 und 2010 wurde in New York zwei Leichen diese Todesart zugeordnet).

Danke jedenfalls für die Infos - die Yakuza bekommen demnächst einen eigenen Artikel, allerdings ist dieses Thema nicht mal eben mit 5 Absätzen behandelt, darin muss man sich vertiefen.

@Mars: Die Kritik galt mir, weil ich das Köpfen im Artikel nicht erwähnt habe(habe vergessen das zu schreiben, weil es kommentartechnisch mit GFG gerade heiß herging, ich war zu dieser späten Stunde nicht mehr multitaskingfähig ;)).
Dieses Thema ist viel zu ausführlich, um es nur zu streifen, wie ich es getan habe, davon habt ihr weit mehr Ahnung als ich, darum finde ich eure Kommentare auch sehr interessant.

Anonym hat gesagt…

Seiza ist Kniesitz; Anza ist Schneidersitz.

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