Thalaikoothal - töte deine Familie


Auf der Suche nach bizarren Bräuchen und Ritualen sticht - einmal mehr - immer wieder Indien ins Auge. Dass Hindus gerne mal ihre Babys vom Dach eines Hauses werfen lassen, um ihnen Kraft zu verleihen, wissen wir ja mittlerweile. Übertroffen wird dieser Brauch allerdings noch von Thalaikoothal - dem Brauch, seine Eltern zu töten, wenn man sie sich nicht mehr "leisten" kann - sprich: Bleibt am Ende des Monats nicht genug Geld übrig, um auch noch die Eltern durchzufüttern, werden sie einfach ins Jenseits befördert.

Beheimatet ist dieser Brauch in Tamil Nadu - Tamil Land, dem südlichsten Bundesstaat Indiens. 
Sind die Kinder aus dem Haus, haben ihre eigene Familie gegründet und ihr eigenes Heim gebaut, bleiben die Eltern oft auf der Strecke. Das Sozialwesen Indiens ist quasi nicht existent, ein Rentensystem wie wir es kennen, gibt es nicht. Entsprechend ist man dazu gezwungen, selbst vorzusorgen, was in vielen Fällen nicht möglich ist, da es am Notwendigsten mangelt. Demnach leiden viel Alte in Indien unter massiver Armut und sind auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen. Da Armut meist ein Kreislauf ist, ist es allerdings keine Selbstverständlichkeit, dass die Kinder über das Kapital oder den Willen verfügen, ihre Eltern bis zum Tod "durchzufüttern". Ist man entsprechend skrupellos, beruft man sich auf Thalaikoothal und befördert die Senioren ins Jenseits. Die Alten sind deswegen nicht wütend - sie haben diese Tatsache akzeptiert und sehen sich selbst als lästiges Anhängsel. Mit ein paar Glas Kokosnuss-Wasser, einer Hand voll Schlamm oder einer Giftinjektion kann man sich dieser Belastung entledigen und dabei sicher sein, dass man mit diesem rituellen Brauch nicht ins Gefängnis wandert.
Meist wird dabei wie folgt vorgegangen: erst lässt man seinen Vater/seine Mutter tagelang hungern - denn ein ausgehungerter Mensch kann sich im Augenblick des Todes nicht aufbäumen oder sich wehren, es mangelt ihm an Kraft, noch dazu im gesetzten Alter. Man versammelt sich, hält dem Opfer die Nase zu und flößt ihm mehrere Gläser Kokosnuss-Wasser ein - verschließt somit seine Atemwege und lässt Mutti ertrinken.

Meist sind bei diesem Ritual auch Ärzte und die Dorfobersten anwesend, um die letzte Ehre zu erweisen und anschließend den Tod zu bestätigen. Die Behörden stellen keine Fragen, dieses Ritual wird im Stillen akzeptiert.

Armut treibt oft seltsame Blüten...


5 Responses So Far:

Kane hat gesagt…

Sorry aber mir fehlen die Worte.... UNGLAUBLICH!

Thumbsucker hat gesagt…

Yep, das ist ne harte Nummer.
Also - es ist nicht so, dass dieses Ritual von Gesetzes wegen erlaubt ist, aber es wird von den Behörden "akzeptiert". Selbst wenn die Polizei mal hinzugezogen wird, ermittelt man nicht, sondern bestätigt die "natürliche Todesursache".
Schlimm.

Kane hat gesagt…

Ja das grauenhafte da dran ist, das ganze bürgert sich ein, es kann irgendwann das ganze Land verseuchen und schwupps werden "Morde" zu einem "Ritual" erklärt und fertig!

Es gibt keine Menschen, die eigenhändig ihre eigenen Eltern töten, nein "Menschen" tun so etwas nicht!!

Verdammt was ist bei denen los???

Thumbsucker hat gesagt…

Armut, Religion, für sowas gibt es verschiedene Erklärungen.
Verstehen kann ich es trotzdem nicht. Keine Religion rechtfertigt so einen Brauch.

darkchyld hat gesagt…

es ist unfassbar, was unter dem deckmantel der religion alles gutgeheissen wird *sprachlos*

 
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