Bradley Manning und die Fratze der US-Regierung


Bradley Manning dürfte mitterlweile den Meisten ein Begriff sein. Der 23jährige Angehörige der US-Army wurde im Mai 2010 unter dem Verdacht verhaftet, brisante Videos und Dokumente der US-Army dem Whistleblower WikiLeaks zugespielt zu haben. Seit Juli 2010 sitzt Manning nun auf der Marine Corps Base Quantico unter fragwürdigen Umständen in Haft.


Immer wieder kann man in den Nachrichten über die Umgangsweise der US-Militärs mit dem Inhaftierten lesen, so wurde in den letzten Tagen bekannt, dass Manning dazu gezwungen wird, nackt zu schlafen und Morgens nackt zur Kontrolle anzutreten - eine Verfahrensweise, die sich schon in Abu-Ghuraib bewährt hat, um Insassen des berüchtigten Militärgefängnisses zu erniedrigen und ihren Widerstand zu brechen und auch in Guantanamo Bay ist dies eine gängige Praxis. Mittlerweile haben US-Militärs gegenüber der New York Times bestätigt, dass man auch Manning entsprechend behandelt - und zwar nicht als temporäre Maßnahme, sondern auf unbestimmte Zeit. Aber nein - nicht wie wir alle vermuten, um Manning zu bestrafen, psychisch zu foltern und/oder zu brechen - selbstverständlich geschieht dies nur zu seiner eigenen Sicherheit. Man möchte damit nämlich verhindern, dass Bradley Manning Selbstmord begeht.
Hat sich jemals zuvor irgendjemand mit seiner Unterhose umgebracht? Mir persönlich ist kein Fall bekannt und auch eine Google Suche nach "Selbstmord mit Unterhosen" blieb erfolglos. Und: wenn Manning so suizidgefährdet ist, warum steht er dann nicht unter "Suicide Watch" und wird psychologisch betreut? Vor allem aber: warum nimmt man ihm die tödliche Unterhose nur Nachts weg - kann man sie tagsüber nicht als Waffe gegen sich selbst richten?

Beschäftigen wir uns doch mal mit dem Tagesablauf von Bradley Manning. Der ist nicht sonderlich spektakulär. 23 Stunden am Tag muss Manning in seiner Zelle verbringen - ständig beobachtet von Kameras und "Aufsehern". Eine Stunde am Tag darf der Gefangene in einem Raum im Kreis gehen - allein und mit Hand/Fußfesseln. Sobald er stehenbleibt - sei es um kurz zu verschnaufen, oder sich die Hose raufzuziehen, wird er umgehend wieder zurück in seine Zelle geführt und selbst dort ist es ihm verboten, irgend eine Form der körperlichen Ertüchtigung zu praktizieren. Keine Kniebeugen, keine Liegestütze, keine Gymnastik, kein Herumgehen. Alle 5 Minuten(kein Scherz) wird Manning von einem Aufseher angesprochen und muss auf diese Ansprache antworten. Nachrichten und Zeitungen sind Fehlanzeige - aber immerhin darf er am Wochende von seiner Familie besucht werden. Sobald Manning sich Nachts im Bett so dreht, dass der Aufseher ihn nicht vollständig sehen kann, wird er aufgeweckt und wieder in die richtige Schlafstellung gezwungen.
Gibt es tatsächlich jemanden, der anzweifelt, dass es sich bei all diesen Maßhnahmen um eine Methodik handelt, mit der man Bradley Manning psychisch brechen möchte? Nicht wirklich.
Vor allem aber ist es Eines: nämlich ein Verstoß gegen die Genfer Konvention, an die sich auch die USA zu halten hätten. Dass der US-Regierung internationale Abkommen am Arsch vorbeigehen, ist allerdings nichts Neues - warum sollte sie sich auch darum scheren, schließlich kommt man schon seit Jahrzehnten damit durch, immer wieder allen ans Bein zu pinkeln - Gesetze, Vereinbarungen, Verträge gelten nur für die anderen, auch wenn ehemalige und aktuelle US-Präsidenten per Definition als Kriegsverbrecher anzusehen sind.

Im Falle Bradley Mannings schlägt die Verfahrensweise der US-Regierung und der Militärs allerdings ungewohnt hohe Wellen. Selbst strikte Gegner von WikiLeaks und bedingungslose Befürworter Obamas stellen sich auf die Seite des inhaftieren Manning. So zum Beispiel der UCLA-Professor Mark Kleiman, der noch letztes Jahr Obama als "den größten moralischen Führer unserer Zeit" bezeichnete, dieser schrieb:

The United States Army is so concerned about Bradley Manning’s health that it is subjecting him to a regime designed to drive him insane. . . . This is a total disgrace. It shouldn't be happening in this country. You can't be unaware of this, Mr. President. Silence gives consent.

Der ehemalige Officer der US-Army und strikter Gegener von WikiLeaks, James Joyner, schreibt:

Obama promised to close Gitmo because he was embarrassed that we were doing this kind of thing to accused terrorists. But he's allowing it to happen to an American soldier under his command?

Und er hat damit vollkommen Recht. Wie so Vieles hat Obama auch in dieser Angelegenheit vergessen, wofür er vor der Wahl stand und warum die Amerikaner ihn gewählt haben. Nicht nur, dass Guantanamo Bay noch in Betrieb ist(und man darüberhinaus den schwarzen Peter der EU und allen weiteren Ländern zuschiebt, die keine Insassen von Gitmo aufnehmen wollen), die selben Praktiken werden nun auch auf US-Rechtsgebiet vollzogen. Und was hat der Friedensnobelpreisträger(ich glaube mir wird schlecht) Obama dazu zu sagen? Wie immer - nichts


Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken.


8 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

Amerika braucht eine RAF.

sohalt hat gesagt…

Die Genfer Konvention ist nicht gültig, wenn jemand eines Verbrechens beschuldigt wird. Außerdem ist Manning sowieso ein Amerikaner und kein Kriegsgefangener.

Dass man hier zu solchen Mitteln greift ist auch irgendwie verständlich - stell Dir vor was los wäre, wenn sich Manning tatsächlich umbringen würde!

Thumbsucker hat gesagt…

Manning ist ein Gefangener des Militärs und wird von einem Militärgericht verurteilt - die Amerikaner streiten sich grad drüber, ob die Genfer Konvention in seinem Fall greift.
Als "Amerikaner" schützt ihn die Bill of Rights - auch als Angehöriger des Militärs(haufenweise Gerichtsurteile bestätigen das).

Was haben diese Maßnahmen mit Suizidprävention zu tun?
Wäre es eine Gefahr für sein Leben, wenn er Morgens bei der Kontrolle mit den anderen Gefangenen in Unterhosen antreten dürfte?
Wäre es eine Gefahr für sein Leben, wenn er in seiner Zelle(vor der 24/7 eine Wache sitzt und ihn beobachtet) Kniebeugen machen dürfte?
Wäre es eine Gefahr für sein Leben, wenn man ihm eine Zeitung gibt?
Was könnte er für einen Schaden nehmen, wenn man ihm beim Rundgang in einem geschlossenen Raum und bewacht von bewaffneten Militärs die Handschellen und Fußfesseln abnimmt - würde er sich gar selbst erwürgen?

Tut mir leid, das ist Bullshit. Diese Behandlung ist einer Demokratie nicht würdig. Genauso wie der öffentliche Aufruf diverser Politiker und Journalisten zum Mord an Assange. Aber dass "Demokratie" ein relativ dehnbarer Begriff ist, beweist die US-Regierug auch noch an anderen Ecken. Führen wird es über kurz oder lang zu "Terroristen" aus den eigenen Reihen - denn nach und nach haben die Amerikaner die Nasen voll.

Anonym hat gesagt…

Das scheint ohnehin eine typische Politiker-Macke zu sein egal welche Partei und/oder Person man nimmt. Alle versprechen die vor der Wahl gemacht werden verlieren Automatisch mit dem gewinnen der Wahl ihre Gültigkeit. Aber was soll´s solange es geht, warum soll man da was ändern. Das ist genauso wie bei Kindern, wenn es keine sanktionen gibt und sie merken sie können das weiter machen, machen sie es weiter. Ich habe schon oft Situationen in meinem Berufsleben erfahren, wo ich mich eher in einem Kindergarten als in einem Büro fühlte.

sohalt hat gesagt…

Die Genfer Konvention gilt nur für Kriegsgefangene und Manning ist kein Kriegsgefangener. Auf ihn trifft der "Uniform Code of Military Justice" zu.

Es wurde jetzt übrigens bekannt, warum Manning nackt schlafen muss: Er war darüber frustriert, dass er nicht vom "Prevention of Injury Watch" genommen wurde und sagte zu seinem Vorgesetzten, dass er sich ja auch mit dem Gummiband seiner Unterhose aufhängen könne. Und das ist wohl nicht gut angekommen (http://firedoglake.com/2011/03/05/sexual-sadist-denise-barnes-strips-bradley-manning-naked-over-sarcastic-quip/).

Anonym hat gesagt…

er soll auch die "Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland" staatsbürgerschaft haben... http://www.guardian.co.uk/world/2011/feb/01/bradley-manning-uk-citizen
http://ukfriendsofbradleymanning.wordpress.com/2011/02/15/how-the-british-government-is-failing-bradley-manning/

wegen der speziellen form von der "suicide watch" hab ich bis jetzt nur das gefunden: http://www.gulli.com/news/bradley-manning-nackt-wegen-sarkastischer-bemerkung-2011-03-06

Anonym hat gesagt…

In anderen Ländern würde er für seinen Staatsverrat hingerichtet werden.
Ich glaube da ist er mit dem noch ganz gut bedient.
Jetzt wird er allerdings nicht mehr so strahlen wie auf seinem Passfoto.

Anonym hat gesagt…

Zwischen der RAF BRD-Version und einer ,,RAF'' heute lägen Welten. Die ganze Technologie von heute macht einen Guerilla Kampf im eigenen Land so gut wie unmöglich....leider?

 
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