Achtung Handykontrolle


Immer wenn ich Neues über die Verfahrensweisen der US-Behörden lese, kommt mir ganz fürchterlich das Kotzen und zwar aus zweierlei Gründen: zum einen weil US-Politiker immer noch das vielzitierte "Land of the Free" propagieren, das es im eigentlichen Sinne so nicht mehr gibt und zum zweiten weil EU-Politiker sich an den USA viel zu oft ein Beispiel nehmen und die EU-Bürger mit den gleichen Praktiken beglücken.


Dass Reisende(Touristen und Amerikaner gleichermaßen) auf Airports in den USA ihre Notebooks und Handys aushändigen müssen, um diese vom freundlichen Beamten durchsuchen und gegebenenfalls klonen zu lassen, ist ja nichts Neues mehr. Die amerikanische ACLU(American Civil Liberties Union), also die Bürgerrechtsorganisation, hat diesbezüglich bereits Klage gegen das Department of Homeland Security eingereicht, man darf aber damit rechnen, dass diese Klage - wie so viele zuvor - nicht von Erfolg gekrönt sein wird. Das Kontrollieren von Handys auf Flughäfen reicht aber anscheinend nicht mehr aus, weswegen man nun dazu übergeht, auch im Zuge von normalen Verkehrskontrollen die Handys von Autofahrern zu durchleuchten.

Gestartet hat man diese Aktionen im US-Bundesstaat Michigan.
Dabei bedient man sich eines netten kleinen Gerätes, dem sogenannten "Universal Forensics Extraction Device" der Firma Cellbrite, kurz UFED genannt. Tolle Sache. Dieses Gerät erkennt über 3000 verschiedene Mobiltelefone, vom alten Nokia bis zu den neuesten SmartPhones und diversen GPS-Devices. Laut Herstellerangaben soll es damit möglich sein, sämtliche Fotos und Videos eines iPhone binnen 90 Sekunden herunterzuladen. Apple sollte die Entwickler dieses Gerätes unbedingt abwerben, denn Fotos und Videos vom iPhone auf ein Notebook zu ziehen, dauert eine gefühlte Ewigkeit und diese Jungs schaffen das mit ihrem Kasten in 90 Sekunden - Wunder geschehen, man darf aber ruhig skeptisch sein. Aber egal wie lange es dauert, auch wenn es 30 Minuten in Anspruch nimmt - das Ergebnis bleibt das selbe, sämtliche auf dem Handy vorhandenen Dateien werden vom Polizeibeamten kopiert.
Wie funktioniert nun also eine solche Kontrolle? Ganz einfach - mit dem Überargument "Haben sie etwas zu verbergen?". Unbedarfte Autofahrer werden also angehalten, erstmal überprüft man Fahrzeug und Papiere und bittet dann den potentiellen Terroristen, sein Mobiltelefon auszuhändigen mit dem Hinweis, er habe doch sicher nichts zu verbergen und entsprechend kann er ja auch nichts dagegen haben, wenn der nette Polizeibeamte mal einen Blick auf sein Handy wirft und die darauf befindlichen Dateien gegebenenfalls kopiert. Nur zum Zwecke der Sicherheit versteht sich.  Daneben zeigt das UFED auch gleich sämtliche besuchte Orte in Google Earth, GPS-Locations und Geotags an. Gespeicherte und Gelöschte. Cool, nicht?


Die Bürgerrechtsorganisation ACLU ist nun besorgt, dass man dieses Gerät klammheimlich dazu benutzt, den vierten Absatz der Bill of Rights zu umgehen, welcher US-Bürgern den Schutz vor unbegründeten Durchsuchungen verfassungsmäßig und grundrechtlich zusichert und bereitet die nächste Klage vor, denn das Durchsuchen von Mobiltelefonen und Notebooks ohne richterlichen Beschluss und ohne begründeten Verdacht auf ein Vebrechen ist auch in den USA illegal.
Selbstverständlich interessiert das bei den Behörden keine Sau. 9/11 hat die Welt insgesamt und die USA im speziellen grundlegend verändert und der dubiose Terroranschlag dient als perfektes Alibi, um die Daumenschrauben immer enger zu ziehen.

♫Land ... of ... the ... free!♫                              my ass.

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4 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

Na mal ehrlich, wer würde denn schon freiwillig zugeben, dass er was zu verheimlichen hat. Mit dem Argument kann man ja so ziemlich alles begründen. Da hilft nur doch eine gute Vercryptungssoftware a la Truecrypt. Soweit ich weiß gibts die auch für Mac Systeme. Dann ein Pseudo OS für die Regierung drauf und ein hidden für self using. Fertig ist die Kiste. Und keiner findet was.
BTW: Glauben das FBI (Fuck.. Bunch of Idiots) wirklich, dass Terroristen so bescheuert sind?

Thumbsucker hat gesagt…

Naja, wenn du am Airport mit einem encrypted Device auftauchst, hoppeln die Virginia Dreamboys aus Langley um dich rum wie die Osterhasen und du kannst das "potentiell" vorm Terrorist gleich mal streichen. Bestenfalls verwehrt man dir die Einreise und setzt dich in den nächsten Flieger Richtung Heimat, schlimmstenfalls setzt man dich ein paar Tage fest, um sich eingehend mit dir zu "unterhalten".

Dazu kommt noch, dass viele Leute schon damit überfordert sind, ihre Systeme aktuell zu halten oder Mailkontos auf ihren SmartPhones einzurichten. Um Terroristen geht's bei der Sache ohnehin nicht. Abgesehen davon gelingt es ständig Journalisten und Scherzkeksen, an der TSA und den weiteren Kontrollen vorbei mit Messern an Bord eines Flugzeugs zu gelangen. Wenn man sich dann auch noch vor Augen führt, dass die Nacktscanner an den US-Flughäfen von der Firma des ehemaligen US-Heimatschutzministers, Michael Chertoff, hergestellt und verkauft werden, ist die Terrorkiste endgültig unblaubwürdig.

Anonym hat gesagt…

Als ich letztens dieses Lied gehört habe musste ich irgendwie an dich denken Thumbsucker. http://www.youtube.com/watch?v=luUO4P9B2-A

Ist ein bisschen schlecht gerappt, aber da wurde gerade erst angefangen auf Deutsch zu rappen.

Thumbsucker hat gesagt…

Guter Song, kannte ich gar nicht - thx für den Link ;)

Auch der Top-Kommentar ist treffend. "heute so aktuell wie damals".
Vielleicht sollte man diesen Song den EU-Parlamentariern täglich ins Ohr drücken, ehe sie sich von der US-Regierung mal wieder vorschreiben lassen, wie der Hase zu laufen hat. Möglicherweise entwickeln sie dann mal eine eigene Identität.

 
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