Wie ein einzelner Mann den Ku Klux Klan bezwang


Johnny Lee Clary war in der Hierarchie des Ku Klux Klan mal eine ganz große Nummer und einer der führenden Köpfe des rassistischen Geheimbundes in den Südstaaten der USA. Er stellte mit seinen Klan-Kollegen brennende Kreuze auf, bedrohte Afroamerikaner und warf Brandsätze in Kirchen, ehe er eine komplette Kehrtwende machte. Heute reist Johnny Lee Clary durch Amerika, hält Vorträge und kämpft aktiv gegen Rassismus und Neonazis.
In diesem Interview erzählt er von einem afroamerikanischen Reverend, den der Klan damals um jeden Preis vertreiben wollte. Alle Drohungen und Einschüchterungsversuche halfen nichts. Der Reverend schaffte es allein mit Hirn und Humor, den Ku Klux Klan auszustechen und trug wesentlich zu Clarys Bekehrung bei.




Yep, so besiegt man Rassismus. 


12 Responses So Far:

Susi hat gesagt…

wunderbar...sehr gut der reverent...ich könnte das nicht...in mir steigt sofort hass auf wenn ich nazis sehe.....aber man muss ja voneinander lernen

Thumbsucker hat gesagt…

Einfach ignorieren. Oder irgendwas Intelligentes sagen, dann wissen sie eh nicht mehr weiter. Wenn man auf ihre Provokationen einsteigt, bietet man ihnen automatisch eine Plattform, um ihren wirren Kauderwelsch von sich zu geben.

SinSin hat gesagt…

"ignorieren" ... klappt sicher prima bei Fremden in der Kneipe.

Aber was tust du, wenn du einen älteren Bruder hast, den du anhimmelst (wie sich das für eine kleine Schwester so gehört) und der in einem schleichenden Prozess zum Rassisten wird?

Du diskutierst bis dir die Worte fehlen (oder die Argumente ausgehen), du streitest, du schreist, du beleidigst, irgendwann heulst du vor Wut. Dann versuchst du es mit Schweigen bis du auch das nicht mehr erträgst, weil du nicht schweigen willst, wenn jemand den Holocaust leugnet oder Mischlingskinder für minderwertige Menschen hält. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, wo du dich einfach damit abfindest, weil er ja trotz allem dein Bruder ist und weil du hoffst, dass er tief drinnen weiß, dass er Dünnschiss redet.
Du meidest die entsprechenden Themen, passt auf was du sagst und erfreust dich an den Momenten, bei denen dieser tätowierte Kahlkopf neben dir auf der Couch sitzt und aus vollem Herzen über Volker Pispers lacht (jap, das klingt paradox, aber so ist er halt).

Ich will hier wirklich niemanden angreifen, ganz im Gegenteil: wenn hier irgendjemand ein richtig guten Ratschlag für mich hat, der nicht darauf beruht:
- sich der Hoffnung hinzugeben, dass ein schwarzer Reverend vorbeischwebt und meinen Bruder bekehrt
- oder ein Jude ihn aus einem brennenden Auto zieht
- oder ich meinen Bruder in ein brennendes Auto setzen soll
Immer her damit!

Und bis dahin: hasst ruhig weiter die Rassisten - ich werde "meinen" weiter lieben.

Pebbi hat gesagt…

Leider kann man sich seine Verwandschaft nicht aussuchen.

Thumbsucker hat gesagt…

Hey SinSin, danke für deinen Kommentar. Wenn ich hier einen "Kommentar des Jahres" auszeichnen würde, wärst du mein bisheriger Favorit - das meine ich ernsthaft und ohne Geschleime ;)

Nein, ich kann dir leider keinen Ratschlag geben, schon gar nicht, da ich deinen Bruder und seine Motivation nicht kenne.
Über diverse Beratungsstellen wirst du dich vermutlich selbst schon informiert haben und falls nicht, hier ist ein interessanter Beitrag:
http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/mein-kind-ist-rechtsextrem-was-kann-ich-tun
Wobei ich persönlich der Meinung bin, dass das(direkte) Involvieren einer Beratungsstelle eher kontraproduktiv wäre.

Alles, was du(oder Vermittler einer Beratungsstelle) deinem Bruder sagen und erklären könntest, hat er sicher schon hundert Mal gehört und unterm Strich kann man vermutlich nur hoffen, dass ihm irgendwann der Knopf aufgeht. Ich denke, dass es wichtig für DICH ist, Distanz zu wahren. Nicht zu deinem Bruder, sondern zu seiner Gesinnung...dass du dich nicht mit hineinziehen lässt.

Der Rechtsruck ist ja europaweit ganz massiv und ich persönlich gebe dafür die Schuld der Politik, weil sie kläglich bei der Integration versagt hat. Nicht bei der Integration von Ausländern(ja gut, da auch), sondern bei der Integration ihrer eigenen Bürger. Man hat sie jahrzehntelang ignoriert, ihnen immer mehr Geld aus der Tasche gezogen, Leistungen immer weiter gekürzt und überlässt sie sich selbst, während man bei heißen Themen wie Asylpolitik immer nur um den heißen Brei herumredet, ohne dringend notwendige Lösungsansätze zu präsentieren - von umsetzen ganz zu schweigen. Das Resultat sehen wir jetzt.

Dass andere Menschen Rassisten hassen, kannst du ihnen nicht übelnehmen. Sie haben Angst vor dem "tätowierten Kahlkopf, der Dünnschiss redet" und zu einer Gruppe gehört, von der Viele andere Menschen zusammenschlagen - nicht nur "Ausländer", sondern auch Landsmänner, die etwas offener denken und nicht für alles, was falsch läuft, den "Ausländer" verantwortlich machen.

Hm...ich wünsche dir alles Gute.

Anonym hat gesagt…

Der Klan lebt weiter... auch in meinem Herz :-D

Barbara hat gesagt…

ich persönlich liebe ja die geschichte mit dem geknutschten hendl. diese situation muß einfach göttlich gewesen sein. als ich das vid vor einiger zeit das erste mal gesehen habe, bin ich fast erstickt vor lachen.

@sinsin: darf ich dich nach seine argumenten fragen? nicht weil ich einen guten ratschlag oä für dich habe oder deinen bruder lächerlich machen will, sondern weil ich solche leute gerne verstehe möchte (und das meine ich, wie ich es sage - ohne vorwurf oä ... nimm es evtl als pathologisches interesse von mir ).

hier in ö kannst du mit den rechten einfach nicht diskutieren. bist du nicht für sie sondern hinterfragst ihre aussagen, wird sofort dicht gemacht. du schreibst aber, daß dir "die argumente ausgehen", was ich so interpretiere, daß du mit deinem bruder schon mal diskutiert hast.

Thumbsucker hat gesagt…

Ich habe das Video vor ungefähr einem Jahr zum ersten Mal gesehen und bin auch gelegen. Schade, dass man nicht den Reverend dazu in die Runde geholt hat, hätte die Sache noch sehenswerter gemacht ;)

SinSin hat gesagt…

@thumbsucker: erstmal vielen lieben Dank für deine Worte *auch ohne Schleim*

Beratungsstelle ist keine Option. Die könnten mir sicher einiges erzählen, aber ich habe ja keinen "Zugriff" auf meinen Bruder. Und dass mein Bruder sich beraten lässt ist völlig ausgeschlossen. Er musste mal zwangsweise zu einem psychologischen Gutachter (nach seinem Afghanistan-Einsatz). Für ihn war das natürlich eine Lachnummer. Das Gutachten ist allerdings gar nicht witzig und ihm wurde auch nahe gelegt sich in Behandlung zu begeben. Hat er natürlich abgelehnt. Und solange er nichts anstellt kann ihn auch keiner zwingen.

Integration der eigenen Bürger – da muss ich ganz spontan daran denken, dass hier in Deutschland immer noch jede Statistik nach Ost und West getrennt wird, ich hab das sooo satt…

Und ich nehme es keinem übel, wenn er Rassisten hasst, insbesondere wenn er ein Opfer von Gewalt ist. Hab den Satz vielleicht etwas unglücklich formuliert - ich wollte damit nur sagen, dass der Hass allein auch keinem hilft.

SinSin hat gesagt…

@barbara: hmm, ich glaube, wenn man versuchen will zu begreifen, was in solchen Menschen vorgeht, muss man sich fragen, was hinter den Parolen steckt. Es wird ja keiner so geboren, also woher kommen die Wut und der Hass auf Menschen die man gar nicht kennt?
Ich persönlich sehe unter all den auslösenden Faktoren zwei ganz entscheidende:
Den ersten hat thumbsucker schon sehr gut getroffen: es geht um Verlust.

Als Beispiel mal ein ganz klassisches Gespräch zwischen mir (S) und meinem Bruder (B)

B: Boah, es kotzt mich schon wieder so an. Jeder Ausländer hat hier in meinem Land mehr Rechte als ich.
S: *finsterer Blick*
B: zum Beispiel die Francesca (dominikanische Ex-Frau von seinem ebenfalls rassistischen Kumpel). Die ist hierher gekommen, hat ne Ausbildung zur Krankenschwester bekommen, Deutsch-Kurs und so. Alles kriegt die in den Arsch geschoben. Und kaum hat sie die deutsche Staatsbürgerschaft lässt sie sich scheiden.
S: Und wieso hat sie jetzt mehr Rechte als du? Du hast auch eine Ausbildung bekommen, sogar mehr als eine.
B: ja und wo bin ich? Ich krieg 6,90 die Stunde (Wachschutz) und das obwohl ich Deutscher bin und meinem Land gedient habe.
S: du hast freiwillig Krieg gespielt, aber darum geht es doch gar nicht. Du behauptest sie hat mehr Rechte. Hat sie aber nicht, sie hat genau wie du Anspruch auf eine Ausbildung. Wäre es dir lieber wenn sie Hartz4 bezieht?
B: Neeee. Es geht ja auch gar nicht um die Francesca, gegen die hab ich ja nichts. Aber das ganze andere Pack, die kriegen alles vom Staat und ich bekomme nicht mal ne Weiterbildung zum Personenschützer.
S: Hast du schon mal drüber nachgedacht, das es nicht Sinn der Sache ist, dass der Staat dir einen Lehrgang nachdem anderen bezahlt? Du hattest eine Ausbildung (Kanalbauer), dann hast du den Job hingeschmissen, hast Ewigkeiten rumgeharzt, dann bist du zum Bund, warum du da wieder weg bist wissen wir alle nicht so genau (an der Stelle kriege ich einen sehr finsteren Blick), dann der Lehrgang zum Wachschützer. Was willst du denn noch alles? Neuerdings planst du dich bei der Polizei zu bewerben. Wenn die dich tatsächlich nehmen sollten (was ich nicht hoffe) würdest du schon wieder eine Ausbildung bekommen. Und die Francesca hat exakt eine Ausbildung bekommen, ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration und Krankenschwester ist ein harter Job den du mal respektieren solltest. Reich wird sie damit schon nicht, mach dir da mal keine Sorgen.

SinSin hat gesagt…

B: ja, hast ja Recht, ich mein ja auch die anderen. Die seh ich doch jeden Tag auf der Arbeit. Stress hab ich immer nur mit den Ausländern.
S: ja, weil du das so sehen willst. Ich hab andauernd Stress mit Deutschen. Und den hast du auch, du blendest das nur aus, weil es nicht in dein Weltbild passt.
B: Blödsinn. Aber es kann doch nicht sein, dass hier in Deutschland kriminelle Ausländer vom Staat durchgefüttert werden.
S: Hä? Wieso denn kriminell? Ich denke wir reden von Ausländern, die hier herkommen und sich ein ganz normales Leben aufbauen.
B: Ja, und was ist mit mir? Mein Land sollte sich zuerst mal um mich kümmern. Erst die Deutschen, dann der Rest. Und wer sich nicht anpasst oder kriminell wird – gleich wieder ausweisen.
S: na denn…soll ich dir beim Packen helfen? Ich find dich grade echt unangepasst. (ich hoffe man hört die Ironie)
B: ach, jetzt kommste wieder mit deinem Multikulti-Dreck. Wenn es nach dir gehen würde, dürfte ja jeder rein.
S: ja, solange er sich an die Grundregeln hält, hab ich nichts dagegen. Wenn es nach dir gehen würde, dürfte gar keiner rein, du hast ja Angst vor allem was ein bisschen anders ist. Du kriegst doch schon nen Anfall wenn du jemanden siehst der gekochte Bananen ist.
B: schmeckt ja auch scheiße.
S: kann dir doch egal sein, solange dich keiner zwingt die zu essen.
B: Is mir ja auch egal.
An der Stelle bekomme ich einen Anfall, weil mich das irre macht, wenn er sich selbst widerspricht.

Unterm Strich muss man ganz einfach sagen: er ist ein Verlierer, die Entscheidungen die er in seinem Leben getroffen hat, haben ihn in eine Sackgasse geführt. Und das macht ihn wütend, er hätte gern ein anderes Leben und wartet darauf, dass ihm das jemand spendiert. Und in demselben Moment sieht er andere Menschen, denen es vermeintlich besser geht und das findet er ungerecht. Das ganze gipfelt dann eben in einem massiven Hass gegen Ausländer. Er ist einfach der festen Überzeugung, dass die ihm was wegnehmen, was er verdient hätte.

Und der zweite Auslöser: das Gefühl wertlos zu sein.
Jeder Mensch braucht Bestätigung. Und wenn er die in der „normalen“ Gesellschaft nicht bekommt, dann sucht er halt woanders. Mein Bruder wurde in der Bundeswehr fündig: klare Strukturen, Macht durch die Waffe in der Hand, Kameradschaft, Vaterlandsliebe und ein ordentliches Feindbild. Und zappzarapp wurde aus dem Arbeitslosen ohne Perspektive ein stolzer Kriegsheld.

Wie gesagt, das ist mein Versuch einer Erklärung…sorry für die Länge, Kurzfassen gehört nicht zu meinen Stärken^^

Thumbsucker hat gesagt…

Ich würde dazu jetzt gerne irgendwas Intelligentes, Erleuchtendes, Ergreifendes mit Aha-Effekt vom Stapel lassen, kann ich aber nicht.
Denn ich fühle mich bei diesem Thema mittlerweile relativ hilflos (ich bin mir sicher, dieses Gefühl ist dir sehr gut bekannt) und habe es schon aufgegeben, mit Menschen dieser Gesinnung zu diskutieren - weil es schlicht keinen Sinn macht.

Ich will dem Durschnittsbürger noch nicht mal einen Vorwurf machen, weil er so denkt - man kann es ihm nicht verübeln. Für jedes Beispiel von guter Integration eines "Ausländers" könnte ich ein Beispiel eines Landsmannes liefern, der auf der Strecke blieb, weil er nicht in die Schubladenszenarien unserer Regierungen passt.
Die Koalitionsparteien haben zu wenig Rückgrat, um hierzu mal Stellung zu beziehen und die Oppositionsparteien nutzen das geschickt aus durch das Schaffen von Feindbildern(braucht der Mensch, um seine eigenen Defizite mal für ein paar Stunden auszublenden).

Ja...wiegesagt...ich fühle mich da relativ hilflos und will nicht Klugscheißen. Ich wüsste an deiner Stelle auch nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich würde vermutlich nicht damit aufhören, meinen Bruder vom Gegenteil überzeugen zu wollen, weil ich ja doch ein kleines Weltverbesserergen in mir trage. Aber außer Frust würde das vermutlich nix bringen.

@Trennung von Ost- und West-Deutschland: das wundert mich auch schon seit einigen Jahren. Das ist ja genaugenommen Rassismus im Kleinen.

 
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