Die Sterbehilfe-Achterbahn


Gerade eben hat mir Anon(THX!) in der Shoutbox einen Link hinterlassen, bei dem ich erst mal dachte What_The_Fuck - bei genauerem Hinschauen allerdings macht der Euthanasia Coaster - zu Deutsch die Sterbehilfe-Achterbahn - durchaus Sinn.


Was klingt, als sei es ein makaberer Scherz, hat Hand und Fuß. Das Konzept ist denkbar einfach:
Man setzt sich in die Achterbahn(sinnvollerweise bis zu 24 Todgeweihte auf einmal). Dann geht die Fahrt erst mal auf eine Höhe von 510 Metern. Bis man dort mal angelangt ist, vergehen ungefähr 2 Minuten. Man hat also noch jede Menge Zeit, die Aussicht zu genießen, zu beten, sich im Geiste zu verabschieden oder die Kotztüte zu füllen. Ist man oben angelangt, geht es mit einer Geschwindigkeit von 360km/h nahezu senkrecht 500 Meter weit runter - in den ersten von 7 hintereinanderfolgenden Loopings.

Jeder der 7 hintereinanderliegenden Loopings hat einen kleineren Durchmesser - schon im ersten Looping würden 10g auf dem menschlichen Körper lasten. Hier zum Veranschaulichen eine Vergleichstabelle von Wikipedia:


Demnach könnt ihr euch also nun ungefähr die Kraft vorstellen, die einem Menschen bei 10g auf die Lunge, das Herz und das Gehirn drückt, wenn man in dieser Achterbahn den finalen Platz einnimmt. Dieser Belastung wäre man im Laufe der 7 Loopings ganze 60 Sekunden lang ausgesetzt.

Die Konsequenz aus diesem Ritt ist einfach - der Mensch stirbt an zerebraler Hypoxie. Sprich an Sauerstoffunterversorgung des Gewebes und des Gehirns. Der Tod tritt dabei nicht spontan ein und verursacht auch keine Schmerzen. Es beginnt mit einer Verzerrung der Wahrnehmung - das Blickfeld trübt sich. Danach kommt der Tunnelblick, den garantiert schon einige von euch kennen - hat man auch mal nach dem Genuss von zu viel Alkohol ;-)
Wer bis dahin noch nicht tot ist und einen letzten Rest an Sauerstoff in seinem Körper hat, den überkommt der G-Loc. Das Blut wird aus dem Gehirn gepresst, was eine absolute Ohnmacht zur Folge hat. Der Todeseintritt ist dann nur noch eine Frage von Sekunden.

Nach den Loopings folgt nur noch eine Rechtskurve mit einer anschließenden Geraden, in der man die Verstorbenen aus der Achterbahn nehmen und die nächsten Passagiere hineinsetzen könnte.

Die Sterbehilfe-Achterbahn wurde diesen Sommer in Dublin vorgestellt - und zwar im Rahmen der Human+ Ausstellung der Science Gallery des Trinity College.

Als dringender Befürworter von Sterbehilfe und Euthanasie für Todkranke finde ich dieses Projekt natürlich genial. Klar - es ginge auch einfacher, unseren Haustieren gönnen wir ja auch den schmerzlosen Tod, wenn ihre Zeit gekommen ist - warum also nicht auch den Menschen. Wäre ich todkrank und könnte wählen, zwischen dem sanften Hinübergleiten durch eine Spritze und dem radikalen Abtreten im Sterbehilfe-Coaster, ich würde mich definitiv für die Achterbahn entscheiden ;-)

Notiz am Rande: wenn ihr mit eurem Haustier mal den finalen Gang zum Tierarzt antreten müsst - lasst euren Fellträger nicht allein, wenn er seine Spritze bekommt. Die Tiere suchen mit der letzten verbliebenen Kraft nach ihrem Besitzer, kurz bevor sie sterben. Ich denke, man ist ihnen diese Begleitung schuldig.
Stammt von einer Vet-Assistentin, die das schon oft genug beobachtet hat.

Muss mal eben unsere Katzen kraulen...

THX @ Anon für dieses Thema.

Hier der Euthanasia Coaster auf Wikipedia.



13 Responses So Far:

Anonym 1 hat gesagt…

Ich frage mich ob Achterbahnen heute verboten wären, wenn man sich auf diese weise im dritten Reich die Juden entledigt hätte :-)

Na ja ich denke sowas hat keine Zukunft. Viel zu wartungsintensiv und erstmal einen spastisch gelähmten da auf den Sitz bringen... ganz zu schweigen von Anschlägen durch Menschrechtsaktivisten.

Da fände ich es wesentlich effektiver und entspannter, einen Besuch beim Optiker vorzutäuschen. Schaut der Proband dann in den Apparat gibt es sofort mehrere Kopfschüsse.

Thumbsucker hat gesagt…

Kannst dich ja nächstes Jahr mit deiner Idee in Dublin bewerben. Die haben sicher Freude mit dir und verleihen dir einen Preis ^^

Thumbsucker hat gesagt…

p.s. ich glaub, die haben in diesem Jahr dort Zwangsjackerl verliehen... ;)

Anonym 1 hat gesagt…

Die Idee ist geklaut... ist glaub ich aus Fortress oder irgend ein anderer Film wo Messer aus den Mikroskopgläsern kommen.

Thumbsucker hat gesagt…

Macht ja nix. Was Apple kann, kannst du schon lange ;)

Kane hat gesagt…

Bei sowas ist immer die Frage, ob sowas nicht Missbraucht oder ausversehen bei falschen angewandt wird.

Ich bin ein absoluter Gegner der Todesstrafe, oder halt solchen Massenselbstmord dinger, es kann immer mal vorkommen, das sich Suizidgefährdete Leute da reinschmuggeln etc.

Oder wie bei der Todesstrafe, es kann immer den falschen treffen, wenn ein falscher stirbt, war das bereits einer zu viel!!

Thumbsucker hat gesagt…

Naja, wenn Ärzte einem Menschen das Prädikat "unheilbar" verpassen, gibt es daran meist nur in Ausnahmefällen etwas zu rütteln. Klar müsste man noch eine unabhängige Kommission hinzuziehen, um das Urteil nicht nur einem Arzt allein zu überlassen. Aber Sterbehilfe ist doch eine humane Alternative zum langsamen Dahinsiechen bis zum Tod.

Anonym 1 hat gesagt…

[quote]es kann immer mal vorkommen, das sich Suizidgefährdete Leute da reinschmuggeln etc.[/quote]

Suizidgefährdete kosten nur einen haufen Geld und bei der nächstbesten schweren Kriese hüpfen die dann vor dem Zug und dann hat man einen fleißigen Lokführer indirekt dann auch Arbeitsunfähig gemacht was der Gesellschaft viel Geld kostet.

Wer sterben will und diesen Wünsch nachdrücklich äußert, soll sterben dürfen. Sterben ist eigentlich das falsche Wort, den sterben will niemand... tod sein aber sehr wohl.

Thumbsucker hat gesagt…

Muss bei dieser Diskussion an den Selbstmordwald in Japan denken. Aokigahara. Gibt dazu ne ziemlich beklemmende Doku auf YouTube:
http://www.youtube.com/watch?v=6CK1KdAha78

Wenn jemand sterben/tot sein will, kann man es ohnehin nicht verhindern - irgendwie wird er einen Weg finden.
Ich hab mich mit dieser Thematik mal beschäftigt - passt auch zum 14jährigen Teen, der sich umgebracht hat.
Sobald ein Mensch mal den finalen Entschluss gefasst hat, sich umzubringen, beginnt er, wieder glücklich und gelöst zu sein. Weil er weiß, dass er bald alles hinter sich hat. Selbstmörder können an dem Tag, an dem sie sterben, unter Umständen richtig manisch sein, vor lauter Vorfreude. So lautet zumdinest die psychologische Erklärung - oder besser eine davon. Bastian hätte dazu bestimmt mehr zu sagen, vielleicht liest er hier ja mit.

Wenn ich mir die Typen in Aokigahara so anschaue, kann ich mir das aber nicht so recht vorstellen. Da allein im Wald zu hocken, hirnzuwichsen und den letzten Funken Mut/kraft aufzuwenden, um sich ins Jenseits zu befördern...ich glaube nicht, dass die davor noch mal glücklich waren.

Anonym 1 hat gesagt…

Sollte ich jemals nach Japan reisen, werde ich auch in den Wald gehen :-D und paar kultige Schädel mitgehen lassen und falls vorhanden, auch Goldschmuck etc. Die Schädel mit etwas Bleichmittel gut ausgekocht, macht es sich sicherlich hübsch im Regal :-D

Sehr ärgerlich dass es sowas nicht in Deutschland gibt.

Thumbsucker hat gesagt…

Japaner sind da anders gepolt als wir. Die gehen da nicht bloß hin zum Sterben, wenn sie mit dem Leben nicht mehr klarkommen.
Viele gehen da zum Beispiel hin, weil sie "Schande" über ihre Familien gebracht haben z.B. durch Jobverlust. Japaner geben nicht dem Chef oder der Wirtschaftskrise für ihre Kündigung die Schuld, sondern sich selbst - und um die Ehre wieder herzustellen, bringen sie sich um.

Klingt bizarr, ist aber so.

Desolationrob hat gesagt…

Ich würde Überdosen von Beruhigungsmitteln oder von mir aus Insulin (man hört Krankenschwestern verwenden das gern) vorziehen, das kann man schnell und sauber zu Hause erledigen.

Anonym hat gesagt…

für mich wärst du der erste Kandidat für diese achterbahn

 
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