Freeganismus - Profitieren von der Wegwerfgesellschaft


Heutzutage wird alles weggeworfen. Ungeachtet dessen, dass Lebensmittelpreise langsam ein Niveau erreichen, bei dem man sich auf's Hirn greift und sich fragt, was der Euro aus dem Handel gemacht hat, kaufen wir wie bescheuert ein und was wir nicht brauchen, landet auf dem Müll. Auch Supermärkte neigen dazu, abgelaufenes Zeug lieber wegzuschmeißen, als die umständliche Prozedur in Kauf zu nehmen, die Lebensmittel Sozialmärkten und Obdachlosenheimen zukommen zu lassen.
Eine immer größer werdende Bewegung namens "Freeganismus" macht sich dieses Phänomen zu Nutze, durchstöbert ohne Scham die Mülltonnen und spart so einen Haufen Geld.
































Solltet ihr also demnächst mal jemanden dabei beobachten, wie er die Mülltonnen hinterm Supermarkt durstöbert - nicht auf ihn hinabblicken, vielleicht ist er ja intelligenter als ihr ;-)

Freeganismus auf Wikipedia.


17 Responses So Far:

Anonym 1 hat gesagt…

Manches Supermarktpersonal ist angeiesen, in die Tonnen noch oben drauf z.B. Putzmittel drüber zu kippen damit alles ungeniesbar wird. So ein Penner soll mal daran gestorben sein, weil das Reinungsmittel weitestgehend geschmacks und geruchlos war.

Thumbsucker hat gesagt…

Kann mich dunkel daran erinnern. Weiß aber nicht mehr, ob das in Deutschland oder in den USA war. Ist doch pervers - bevorich den Kram Bedürftigen gebe, mache ich ihn ungenießbar. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Abgesehen davon finde ich Freeganismus wirklich intelligent. Die haben nach Ladneschluss das gratis, wofür du 2 Stunden zuvor noch den vollen Preis bezahlt hast.

Desolationrob hat gesagt…

Mir würds dennoch grausen,verpackt und so gut wie neu hin oder her, das ist im Mist gleegen, ich esse auch nichts mehr das bei mir zu Hause auf den Fussboden gelegen hat,also warum soll ich etwas essen das im Mülleimer drin war ?

Klar ist es traurig das wir so viel wegschmeissen, da wäre sicher Optimierungsbedarf

Thumbsucker hat gesagt…

"Grausen" ist relativ. Obst und Gemüse muss man ohnehin waschen - wer weiß, wer das schon in der Hand hatte, liegt ja offen im Supermarktregal. Gab vor 2-3 Jahren mal eine Untersuchung. Man hat Abstriche von offen angebotenen Waren in Supermärkten gemacht und in einem Labor Kulturen angelegt. Da war von Eiter über Herpes bis hin zu Fäkalien alles dabei. Wenn ich den Link dazu noch finde, poste ich ihn hier.

Die Sache ist auch: mehr und mehr Leute können es sich gar nicht leisten, wählerisch zu sein. Wenn du - so wie in den USA - keinen Job hast und deine Einkäufe mit einer bestimmten Anzahl an Lebensmittelmarken erledigst, ist Freeganismus eine interessante Alternative.

Desolationrob hat gesagt…

ne, eine interessante Alternative wäre es diese Lebensmittel garnicht erst im Müll landen zu lassen und sie solchen Menschen direkt zukommen zu lassen.

Hab da mal ne Reportage über die Tafeln gesehen, die bekommen so viel zeug angeboten, sie können garnicht alles annehmen bzw weiterverteilen

Thumbsucker hat gesagt…

Ja, eben! So eine Einrichtung wie "Die Tafeln" gibt es beispielsweise in Österreich gar nicht. Manche Supermärkte geben zwar Lebensmittel an Sozialmärkte weiter, wo Bedürftige sie dann billig kaufen können, aber ein Modell wie "Die Tafeln" wäre mir in Österreich nicht bekannt - in den USA sowieso nicht. Wenn es sowas gibt - her mit dem Link, das verbreite ich gerne.

Ich habe mal in einer Mediendiskussion am Rande mitbekommen, dass es angeblich organisatorisch nicht zu bewältigen wäre, die Lebensmittel von den Supermärkten einzusammeln - weswegen man sie dann lieber im Müll verrotten lässt. Wenn dann Obdachlose "einsteigen" (denn die Mülleimer der Supermärkte sind ja Privatbesitz und stehen meist in umzäunten Gelände), nimmt man sie fest.

Susi im Wunderland hat gesagt…

ein bekannter hat das gemacht...und irgendwann wo die das mitbekommen haben haben sie die mülltonnen abgesperrt.....das ist total schwachsinnig......ich würd sowas glaube ich selbst nicht machen aber mein respekt an die dies tun

Thumbsucker hat gesagt…

Ja also mir persönlich würde vermutlich nicht grausen davor. Wer weiß, was da alles draufklebt, wenn es frisch vom Acker kommt - wird ja in einer Fabrik auch erst mal gewaschen. Und daheim wäscht man das Zeug noch mal, ehe man es isst ;)

Ich finde das wirklich OK, dass Leute davon profitieren. Auch wenn sie es vielleicht nicht nötig hätten. Die sparen sich damit vermutlich einen 1000er im Jahr, damit kannst dir schon einen kleinen Urlaub oder sonstwas(Lebenswichtiges) leisten ;)
Die Zeiten sind beschissen und werden nicht leichter. Vielleicht ist man morgen in einer ähnlichen Situation, wer weiß das schon.

MarsTheMars hat gesagt…

Ein Bekannter von mir macht das seit einige Jahren! Er würde schon sogar von einem Supermarkt angezeigt wegen Diebstahl! Was die Supermärkte wegschmeissen, zahlen wir schon wenn wir da einkaufen, also es gehört uns und wenn jemand es aus der Mülltonne holt hat er recht. Die Ablaufsdatum sind sowieso eine riesige Verarschung; es geht um Komsum und Profit! Scheiss drauf!

Thumbsucker hat gesagt…

Ich finde da auch nix dabei. Klar ist es eklig, in die Container zu klettern und im Müll herumzuwühlen. Aber das behebt eine heiße Dusche danach schnell und das Gratis-Futter entschädigt dafür.

Wie du sagst: Profit zählt. Bevor wir etwas herschenken, schmeißen wir es lieber weg. Traurig, traurig.

Anonym hat gesagt…

Weiss nicht wie das bei euch ist, aber ich war mal bei so einer Essen-Holen-Tour dabei. Da war es so, dass der Detailhändler (Migros) das abelaufene Zeug in einen unverschlossenen Lastwagenanhänger lädt. Durch die Nacht konnte man dann in die Anhänger rein und das was man gebrauchen konnte wurde rausgenommen. Am morgen fuhren die dann mit den Lastwagen auf die Müllkippe oder wo auch immer hin damit.
Ob man das offiziel darf oder ob es illegal ist weiss ich allerdings nicht.

Thumbsucker hat gesagt…

Ich nehme an, dass es im Grunde illegal wäre(Besitzstörung), aber geduldet wird. Obst und Gemüse landet bei uns meist in Bio-Containern, Brot und Milchprodukte werden an den Großhändler zurückgegeben - was der dann damit macht, weiß ich nicht. Die Container stehen meist auf einem abgesperrten Areal der Supermärkte, in das man nur kommen könnte, wenn man "einbricht".

Ich weiß aber zum Beispiel von meinem Grundwehrdienst noch, dass Essensreste/verdorbene oder abgelaufene Lebensmittel in der Kaserne von Bauern abgeholt wurden, die das Zeug dann im Stall verfütterten.

Anonym hat gesagt…

Eine Bekannte von mir arbeitete als Sekretärin bei einer Bäckerei. Am Abend wollte sie sich Brot mit nach Hause nehmen, das nicht verkauft worden ist. Das Brot war bereits aus den Regalen geräumt und auf dem Weg in die Mistkübel. Sie durfte es nicht nehmen, ihr wurde gesagt, dass sie es gefälligst kaufen solle.
Sie hat ihr Brot dann nie bei der Bäckerei gekauft, wo sie gearbeitet hat weil es ihr einfach zu blöd war. Das war reine Profitgier vom Chef. Wenigstens das Personal könnte man durch kleine "Brotspenden" bei Laune halten...

Thumbsucker hat gesagt…

Ja, Gier ist was schönes. Da wäre dem Bäckermeister garantiert ein Zacken aus der Krone gefallen, wenn er ihr etwas geschenkt hätte.
Eigentlich sollte man sowas veröffentlichen, damit die Kunden auch zeigen können, wass sie von diesen Praktiken halten.

Anonym hat gesagt…

Zu dem Thema lief auch vor kurzem eine Doku im WDR
Ab in die Tonne - Wie wir unsere Lebensmittel verschwenden.
www.wdr.de/tv/servicezeit/sendungsbeitraege/2011/kw35/0902/00_ab_in_die_tonne.jsp

Gibt´s auch bei Dokujunkies

Anonym hat gesagt…

Das Problem wäre, wenn die Supermärkte ihre Lebensmittel frei geben würden, dass der Umsatz einbrechen würde und mehr Leute ihr essen aus dem Müllkontainer holen, als aus den Geschäft.
Und da die Meisten ja immer noch denken, dass Geiz geil ist würden die Händler über kurz oder lang pleite gehen. Und da die wenigsten Städte noch Bauernhöfe haben, würde wohl ein Großteil der Bevölkerung verhungen.

Thumbsucker hat gesagt…

@Doku-Anon: THX, werde ich mir heute Abend angucken.

@Anon: hm...bin mir da nicht soo sicher. Die Leute, die sparen wollen, tun das sowieso. Die Leute, die sparen *müssen*, kaufen im SoMa oder beim Discounter. Bin mir nicht sicher, ob tatsächlich so viele Leute diese Schamgrenze überwinden und in den Müllcontainern der Supermärkte wühlen würden. Freeganism ist ja im Grunde eine politische Bewegung, die gar nicht mal zwingend etwas mit Armut zu tun hat.

 
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