Ein großer Mann ist von uns gegangen


Ralph Steinman verstarb am 30. September 2011 in New York City. Nur drei Tage, bevor man ihm den Nobelpreis für Medizin verleihen wollte - was man nun hoffentlich posthum nachholt, auch wenn es gegen die Kriterien verstößt.
Ralph M. Steinman hat keinen Konzern geleitet, kein SmartPhone erfunden. Er hat keine Milliarden erwirtschaftet, noch nicht mal Millionen.

Er hat aber mit seiner Forschung das Leben von Millionen, ja sogar Milliarden Menschen berührt und verändert und vermutlich hat sie auch das Leben eines anderen großen Mannes verlängert, der gestern verstorben ist, nachdem er noch einige Jahre nach seiner Bauchspeicheldrüsenkrebs-Diagnose seinem Konzern viel Geld erwirtschaften konnte.
Mit dem Nobelpreis gewürdigt wurde Ralph Steinmans Entdeckung der dendritischen Zellen und ihrer Rolle in der adaptiven Immunität. Er hat das Verständnis des Immunsystems revolutioniert  und die Prinzipien seiner Aktivierung entdeckt. Das klingt nicht sonderlich aufregend, weswegen ihr vermutlich noch nie etwas von ihm gehört habt und das dürfte auch der Grund dafür sein, warum die Welt nicht um seinen Tod trauert. Warum die Zeitungen nichts auf ihrem Cover schreiben und auf den Websites kaum etwas über ihn zu erfahren ist.

R.I.P, Ralph Steinman. Du hast die Menschheit gerockt.

So sehen Helden aus.

Ralph Steinman auf Wikipedia.


8 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

Danke, dass du solche Berichte schreibst :-)

Thumbsucker hat gesagt…

Ist zum Teil auch purer Egoismus - kann nix schaden, sich zwischendurch ein wenig zu erden ;)

Anonym hat gesagt…

Danke, für diesen Beitrag! Das zeigt dass etliche Personen im Hintergrund arbeiten und von deren Arbeit wir profitieren, aber wenig erfahren.
Wahre Helden!

Anonym 1 hat gesagt…

Grundlagenforschung womit bis heute vermutlich niemand davon einen Nutzen gezogen hat.

Mal schauen ob ich den Friedensnobelpreis erhalte.

Thumbsucker hat gesagt…

Auch wenn du deinen Namen von Anonym 1 in Ghandi änderst - deine Weltverbesserungsvorschläge bringen dich allerhöchstens nach Den Haag, aber nicht vor das Nobelpreiskomitee ;)

Alex hat gesagt…

:D:D sehe ich auch so

Robert hat gesagt…

Ich bin genau in dem Bereich, in dem Ralph M. Steinman arbeitete, seit ca. 25 Jahren tätig. Ralph hat mit den Dendritischen Zellen die "Chefdenker de Immunsystems" entdeckt: Zellen, die im Griff haben, ob unser Immunsystem erfolgreich Krebs und Infektionserreger abwehrt, ob es uns davor schützt, dass dasselbe Immunsystem versehentlich unseren eigenen Körper attackiert - oder ob all dies (und das ist tatsächlich nur die Spitze des Eisberges) eben nicht funktioniert, wenn diese Zellen nicht intakt sind. Ralph Steinman hat eine immense Lebensleistung hingelegt und damit den Nobelpreis verdient. In Fachkreisen hatte man das eigentlich schon seit Jahren erwartet. Auch in sofern ist es tragisch, dass er es nicht mehr erlebten durfte. Dennoch war Ralph kein Übermensch: Aus Eigeninteresse hat er dafür gesorgt, dass diejenigen, die ihm hätten gefährlich werden können, lange Zeit ausgebremst wurden. Und das war eben nicht im Interesse der Sache: Wenn heute bereits vielen tausend Menschen mit Krebserkrankungen durch den gezielten Einsatz der Dendritischen Zellen das Leben lebenswerter gemacht und teils um viele Jahre verlängert werden konnte, so ist das zwar auch sein Verdienst, aber wir hätten dort schon früher ankommen können, wenn andere Kollegen nicht (zu) lange ausgebremst worden wären. Die Wahrheit ist eben oft ambivalent. Aber der Mensch an sich ist eben nicht vollkommen...

Thumbsucker hat gesagt…

@Robert: Sorry für die späte Antwort, ich habe deinen Kommentar leider erst jetzt gelesen. Danke für die Erklärung - wenn man nicht vom Fach ist, kann man Steinmans Leistung nicht so plausibel darlegen, wie du das tust.

Mir ging es zwar primär um die Gegenüberstellung der Leistungen von Steinman und Jobs(Verständnis des Immunsystems vs iPod - der eine wird übergangen, der andere gefeiert wie ein Held), ich finde diesen Bereich aber generell sehr aufregend. Würde ich noch mal von vorne beginnen können, würde ich vermutlich auf meine Branche pfeifen und mich auf einen Bereich der medizinischen Forschung spezialisieren.

Was ich an euch "Labormenschen" bewundere, ist eure Beharrlichkeit und Ausdauer. Den Menschen selbst will ich da gar nicht zu sehr ankreiden, denn wir alle haben unsere Macken - obwohl Steinman durch sein Ausbremsen der Gesellschaft keinen Gefallen getan hat. Ich hoffe halt, dass die Krebsforschung insgesamt nicht auch so eine Blockade erfährt.

Danke noch mal für deine Ausführungen!

 
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