Übermotiviert und unterbewertet


Motivationstrainer. Tolle Leute. Sie wissen genau, wie sie uns davon überzeugen können, dass wir wertvolle Menschen sind. Jeder einzelne von uns. Du, ich, der Typ neben dir in der Klasse, der Kollege am Schreibtisch gegenüber -  wir alle. Um uns davon zu überzeugen, müssen wir nur 50€ Eintritt bezahlen und ein Buch kaufen.
Versteht mich nicht falsch - ich finde Typen wie ihn hier großartig:





Ich weiß nicht, ob ich in seiner Situation diese Lebensfreude und diesen Optimismus an den Tag bringen könnte. Keine Arme, keine Beine, ständig angestarrt werden, ausgegrenzt werden, eingeschränkt sein, anders sein.
Ich war mal auf dem Seminar eines Motivationstrainers. Toll. Die Gruppendynamik ist unglaublich. Alle waren begeistert, auch ich. Wir haben uns mitreißen lassen von seiner positiven Einstellung, haben gelacht, Beifall geklatscht, herumgegrölt, mit unseren Sitznachbarn Hände geschüttelt und nach den 75 Minuten haben wir sein Buch gekauft - für 19€ das Stück - und haben es bei einem kalten Bier durchgeblättert. Auch da fanden wir es noch klasse und dachten, dass sich nun - zwar nicht alles - aber doch einiges verändert, denn schließlich sind wir nun motiviert und zusammengeschweißt. Toll fand ich übrigens auch den Stundenlohn dieses Motivationstrainers. Ich habe in dem Bildungsinstitut gearbeitet, in dem diese Veranstaltung stattfand und weiß daher, was ihm für seinen Vortrag bezahlt wurde. Dass er Millionär ist, steht für mich außer Frage - der hat also leicht lachen und kann motiviert sein.

Die Ernüchterung für die Besucher dieses Seminares ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, erscheint es auch logisch, dass ein Motivationstrainer nicht für 700 Individuen im Saal pauschal Tipps und Ratschläge geben kann. Jeder befindet sich in einer anderen Situation, jeder hat andere Probleme zu bewältigen - da nützt auch das beste Buch nichts. Der beste Motivationstrainer flüstert euch bei der Schularbeit keine Lösungen ins Ohr. Klopft euch nicht auf die Schulter während dem Vorstellungsgespräch. Stärkt euch nicht den Rücken, wenn ihr gemobbt werdet. Hilft euch nicht, eine Lehrstelle zu finden. Bezahlt auch nicht eure Rechnungen oder füllt euren Kühlschrank.

Wenn ihr nicht selbst in der Lage seid, euch zu motivieren, nützt das ganze "Tschakaaaaa!!" nichts. Klar seid ihr wertvoll. Jeder einzelne von euch. Egal, ob ihr mit einem iPhone telefoniert, oder mit einem alten Nokia. Egal, ob ihr in Markenklamotten herummarschiert, oder in Sachen von Kik. Egal, ob eure Frisur der Trend-Salon verbricht, oder euer Buddy mit dem elektrischen Rasierer. Das Gefühl, wertvoll zu sein, könnt ihr euch auch gegenseitig vermitteln, dafür braucht ihr keinen Motivationstrainer - spart euch das Geld.
Lernt, unterstützt euch gegenseitig, hackt nicht aufeinander herum. Helft euren Freunden(und auch - oder gerade dem Streber mit der "hässlichen Frisur") - es kommt euch garantiert mal zurück.

Das ist nur meine persönliche Meinung. Es braucht keinen Dampfplauderer(Schwätzer), um uns zu sagen, dass wir keine Nichtse sind. Was aus uns wird, haben wir selbst in der Hand - jeder schreibt sein eigenes Buch.

Sollte euer Leben von einem Motivationstrainer grundlegend verändert worden sein, bitte ich um einen Erfahrungsbericht und lasse mich gerne eines Besseren belehren. MEIN Leben wurde durch Freunde und durch meine Partnerin geprägt, ganz kostenlos und ohne Gehirnwäsche ;-)

Damn...da kam wohl der Philanthrop in mir durch ^^


16 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

Also ich finde dich nicht unsympathisch =)
Mehr schreiben, weniger Bilder bitte ;)

Danke.
Einer der Streber mit scheiss Frisur

Thumbsucker hat gesagt…

Immer den Kopf oben halten ;)

Alice hat gesagt…

Gibt es noch mehr davon, da wo das herkommt?
Deine Schreiberei meine ich ;-)

Anonym hat gesagt…

Weißte was mich motiviert? Diesen Artikel lesen und dazu das Lied aus dem Artikel darunter hören :)

Twisted Sister hat gesagt…

Für die letzten 3 Absätze könnte ich dich knutschen =)

Thumbsucker hat gesagt…

@Alice: yep, da ist noch ein wenig mehr davon ;)

@Anon: werd die Kombination auch mal probieren.

@Sister: danke ;)

Anonym 1 hat gesagt…

Ich war auch mal Motivations-Trainer...

Hast diesen Einköpfigen Typen nicht schon mal hier gezeigt? Ist doch voll langweilig.

Thumbsucker hat gesagt…

Wat?! Du warst mal Motivationstrainer?? Wo - in der FPÖ Zentrale mit Softgun und der berühmten "4 Bier bitte" Geste? ^^

Yep, ich hatte ihn schon mal. Hab ihn nur als Beispiel hergenommen, weil Marian ihn gestern in der Shoutbox verlinkt hat. ALLE Motivationstrainer sind langweilig. Bei den meisten Typen muss ich an eine Sekte denken. Nur, dass Motivationstrainer mehr Kohle abräumen.

Anonym 1 hat gesagt…

Sollte nur Spaß sein... bin besser im Demotivieren :-D

Aber diesem schwulen Niederländer würde ich gern mal eine in die Fresse hauen. :-D

Thumbsucker hat gesagt…

"bin besser im Demotivieren"

Du musst nur deinen Humor zum Wohle der Menschheit einsetzen und deine Misanthropie loswerden, dann verdienst du mindestens so viel Geld,wie der Niederländer ^^

"Anonym 1" würde ich als Pseudonym gleich beibehalten, damit sprichst du das Kollektiv an. "Militanter Leitfaden zum großen Glück von Anonym 1 - Tipps und Tricks live aus dem Bunker" - macht doch was her auf Amazon :D

Anonym hat gesagt…

Tja, aber so funktionert doch alles.
Sei es Faschismus, Kirche, Terrorimus, etc.
-Suche Leute
-Bring sie zusammen
-Überzeuge sie
-Beute sie aus
-Lass sie fallen
Eigendlich ganz einfach.
Warum macht das eigentlich nicht jeder?

Thumbsucker hat gesagt…

Weil die meisten von uns schon so verunsichert sind und den Opfergedanken in sich tragen, dass sie gar nicht erst auf die Idee kommen, sich über andere zu stellen - und sei es nur zum Schein.

Aber im Grunde hast du vollkommen recht - dieses Konzept wird in vielen bereichen angewandt - Religion ist doch genaugenommen auch nichts anderes.

Anonym hat gesagt…

In Kiel in der Uni war mal so ein Motivationstrainer. Es waren glaube ich so 1000 Menschen im Saal, und es wurde von der Schule aus organisiert. Lustig war folgendes: Der Typ wollte ein Konzentrationsspiel spielen und hat immer so beschissene Sachen vorne gemacht, natürlich wollte jeder so lange es nur geht durchhalten. Ich zählte zu den 50%, die direkt nach 5 Sekunden draußen waren. Am Ende stand dann noch eine Person, die sich also super konzentrieren konnte. Ich ging mit einem Versager Gefühl aus der Veranstaltung raus :D War wirklich gut!

Thumbsucker hat gesagt…

Ja das ist auch so eine Sache. Motivationstrainer versuchen, ihre Zuschauerschaft in Schubladen zu stecken. Passt man nicht in eines dieser Schubladenszenarien(eben zum Beispiel, weil du dich nicht konzentrieren kannst), wirst du sogar im Motivationsseminar demotiviert und an den Rand gedrängt ^^

Geht ja extrem nach hinten los. Wenn du dann auch noch versuchst, Fragen zu stellen(am Ende auch noch kritische Fragen), dann holt er dich schlimmstenfalls auf die Bühne und zieht dich durch den Kakao ;)

Anonym hat gesagt…

Das ist aber auch ein gutes Konzept um solche "Motivatoren" auflaufen zu lassen.
Wenn nämlich keiner mitmacht, dann steht er letztendlich allein auf der Bühne und macht sich zum Horst.
Dann ist er der Verlierer und nicht die Leute im Puplikum.
Leider würde das nie klappen, weil der Gruppenzwang zu groß ist, sowie einer im Puplikum mitmacht, geht das meistens wie ein Lauffeuer weiter.
Deshalb haben die Motivations-Profis auch meistens ein paar Mitarbeite im Puplikum sitzen, damit das Feuer geschürt wird. Ich spreche da aus Erfahrung, war selbst mal als ein solcher angeheuert worden.

Thumbsucker hat gesagt…

Ja das mit den Anfeuerern im Puplikum glaube ich dir gerne, kann ich mir lebhaft vorstellen. Ich habe damals nicht so drauf geachtet, ob das bei uns auch so gemacht wurde. Ich war gemeinsam mit einem Kollegen für den Aufbau der Technik im Saal verantwortlich und als der Motivationstrainer kam, um die finale Tonprobe zu machen, hatte er nur seine Assistentin dabei...nachträglich gesehen hätte ich mich von der lieber motivieren lassen ;)

 
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