Illegale Downloads fördern Kinderarabeit


Ja, wirklich. Wenn die US-Regierung das behauptet, dann ist das so. Gestern ließ man in den USA die neue Kampagne gegen die bösen Internetpiraten vom Stapel(hat wohl auch ein wenig mit Werbung für ACTA zu tun) und man hat sich dabei nicht lumpen lassen. Vorgestellt wurden eine Reihe Plakate mit traurig blickenden Menschen aus der Filmbranche, die einen Schmollmund (Nipf auf Österreichisch) ziehen, weil sie wegen den raubmordkopierten Filmen ihren Job verloren haben - like this:


Diese Plakate zeigen schon mal die grundsätzliche Problematik bei dieser ganzen Sachen, nämlich, dass Politiker keinen Schimmer haben, denn ich kenne niemanden, der schon jemals einen raubmordkopierten Film "gekauft" hätte - und ich habe mir wirklich Mühe gegeben, so jemanden zu finden.
Weiter ging es mit einem grenzgenialen TV-Spot, mit dem man künftig die Amerikaner im Vorabendprogramm nötigen wird. Dabei hat man aber mal wirklich tief in die Trickkiste gegriffen.
Zu sehen ist ein junges Paar, das am Stand eines Straßenhändlers verblüfft einige DVDs entdeckt. Auf die Frage "Sind die echt??" labert der zwielichtig aussehende Raubmordkopiedealer mehr nuschelnd als sprechend und mit Ostblock-Akzent(that's racist!) irgendwas von "Top Qualität, nur ein paar Dollars". Doch als die junge Dame bezahlen möchte, geschieht das Wunder: ein helles Licht lässt den Geldschein erstrahlen und fährt durch die Dollarnote direkt in das Gehirn der bösen Raubmordkopiekäuferin, um sie zu erleuchten: Raubmordkopien begünstigen den Drogenhandel, kosten Jobs, fördern Kinderarbeit(WTF??) und sind überhaupt furchtbar böse. Eat this:






Ich könnte jetzt einige Beispiele aufzählen, die tatsächlich Jobs gefährden - allerdings herzlich wenig mit illegalen Downloads zu tun haben, sondern mehr mit der Inkompetenz unserer Politiker und falschen Prioritäten. Aber There's No Business Like Show Business und im Show Business (dem ich diese Politposse zuordne) hat die Realität nun mal keinen Platz.

In einem Punkt stimme ich allerdings mit der US-Regierung und allen an ACTA beteiligten Staaten überein(auch wenn ich Gefahr laufe, von einer Frau namens Andrea wieder mit dem Staatsanwalt bedroht zu werden):
Kauft keine illegal heruntergeladenen Filme beim Straßenhändler ums Eck. Zieht euch den Kram lieber selber, denn dann seid ihr schon vorab über die Qualität im Bilde und müsst euch nicht auf das Wort eines unrasierten Straßenhändlers verlassen ;-)





13 Responses So Far:

Anonym hat gesagt…

HEY, ich bin auch unrasiert =(

Thumbsucker hat gesagt…

Ich rasiere mich auch nur alle 3 Tage. Wenn wir uns jetzt noch einen Ostblock-Akzent zulegen, sind wir automatisch böse Menschen und im Fadenkreuz des FBI ;)

Anonym 1 hat gesagt…

Das Plakat wäre für mich eher Motivation, gleich eine Serverfarm an Torrenttracker zu betreiben :-D

Thumbsucker hat gesagt…

Da bin ich ausnahmsweise sogar mal deiner Meinung - auch wenn wir arg differente Begründungen dafür haben ^^

JohnnyLunchbox hat gesagt…

Jaja, ein paar Filme downloaden fördern Kinderarbeit, Der Maya Kalender tötet alle Menschen auf der Erde und vom Onanieren bekommt man lange Haare an den Händen- WHO CARES !?
Soll sich doch ein anderer darum kümmern haahaha ;D

Anonym hat gesagt…

Häh ? Niemand kauft Raubkopien ? Erm,schon mal auf dem Chinesenmarkt in Tschechien gewesen ? Schon mal was von den Profifälschern in Thailand und Co gelesen ? Damit werden sehr wohl Millionen umgesetzt

Thumbsucker hat gesagt…

Ich kenne den Chinesenmarkt in Kleinhaugsdorf(Excalibur City), falls du den meinst. Ich habe mich vor einiger Zeit mal mit einer Dame unterhalten, die seit vielen Jahren in der Musikbranche tätig ist(ob sie es noch ist, weiß ich nicht - der Konzern ist in Insolvenz). Die hat mir erklärt, dass die Hysterie um den "Verkauf" von raubkopierten Filmen/CDs in unseren Breiten bei weitem übertrieben ist. So gut wie jeder hat ne Flat, die Leitungen werden immer schneller, Streamingsites sterben nicht aus und wenn man sich das Zeug runterladen will, ist ne 700mb avi oder ne 450mb mkv in 10 Minuten auf der Platte. Anders ist das in Russland, ehemaligen Ostblockländern und China, wo das Web noch keine Selbstverständlichkeit ist - dort wird tatsächlich viel Geld damit umgesetzt.

Mal ehrlich: wer gibt bei den Chinesen 5€ für eine Raubkopie aus, von der man die Quali nicht kennt und man noch nicht mal weiß, ob sie der heimische DVD-Player überhaupt schluckt? Noch dazu gibt es viele Filme schon im Sonderangebot ab 5,90 oder 7,90 - da kaufe ich mir lieber gleich das Original.

Der Handel mit "nicht lizenzierten Kopien" blüht bei uns in anderen Bereichen - nämlich bei Turnschuhen, Handtaschen, Markenklamotten und Uhren. Ich fand das Wetrennen zwischen der Polizei und den Straßenhändlern mit ihren zig Handtaschen immer sehr witzig ;)
Die Typen sind aber gut organisiert und meist weg, ehe die Cops vor Ort sind. Darum zockt man an italienischen Stränden jetzt auch lieber die Touristen ab, die sich so ein gefälschtes Markenprodukt gekauft haben und damit am Strand herumprollen.

Siehe:
http://www.badische-zeitung.de/panorama/plagiate-aus-dem-urlaub-teure-schnaeppchen--32083072.html

Anonym hat gesagt…

Ich wusste nicht, dass die DVD-Hüllen von Kindern genäht werden!

Jetzt im Ernst, ich verstehe den Link zur Kinderarbeit (Textilindustrie) nicht wirklich und wäre sehr froh, wenn eine gebildetere Person mich in diesem Punkt aufklären könnte!

Thumbsucker hat gesagt…

Ich verstehe nicht nur die Kinderarbeit nicht. Auch der Drogendealer hatte neben den Drogenpäckchen raubkopierte DVDs liegen. Und zum finster dreinschauenden Thug im schwarzen SUV fehlt ja auch der Kontext. Aber wenn's die US-Regierung sagt, wird's schon stimmen.

Anonym hat gesagt…

"Schon mal was von den Profifälschern in Thailand und Co gelesen ?"

Wer sorgt denn dafür, dass die Zeitungen darüber schreiben? Das sind genau die gleichen Leute die die Werbespots finanzieren um die es hier geht.

Versteh mich nicht falsch: Es gibt natürlich Leute die Schwarzkopien kaufen und natürlich auch welche die sie herstellen. Ich habe in Thailand und China auf Märkten auch schon Stände gesehen wo die verkauft werden. Damit verdienen auch Leute Geld, aber das sind keine Millionenbeträge und die große Industrie die angeblich dahinter steckt existiert auch nicht. Bei Kleidung ist das eine andere Sache, aber wir sprechen hier von Musik.

Thumbsucker hat gesagt…

Ja das sehe ich auch so. Was ich immer wieder faszinierend finde, ist, dass man zwar imstande ist, zur Bekämpfung von illgealen Downloads ein multilaterales Abkommen zu schließen und zig Länder in die Pflicht zu nehmen, aber wenn es um Kinderpornografie im Netz geht, ist diese Zusammenarbeit nicht möglich - wie man uns ja in der Diskussion rund um die Stoppschilder erklärt hat. Wirtschaftliche Interessen zu schützen, stellt also kein Problem dar - Opferschutz hingegen...(...).

Anonym hat gesagt…

Es geht in der Werbung ja nicht nur um Filme, sondern allgemein um Fälschungen. Die DVD ist ein Beispiel.
Die Kinderarbeit ist dann eben zb. auf Turnschuhe usw. bezogen.

Thumbsucker hat gesagt…

Das ist schon klar - wird allerdings im Video nicht gezeigt, man schießt sich auf die Raubkopien ein und setzt sie mit Drogen, Kinderarbeit und finster dreinblickenden Thugs im Gangsta-SUV gleich, ohne einen gezielten Bogen zu Hadtaschen, etc. zu spannen.

Nicht umsonst könnte man - wenn das neue Gesetz in den USA durchgeht - schon bald für den Upload eines einzigen Songs bis zu 5 Jahre im Gefängnis landen. Zum Vergleich: der Artz, der Michael Jackson um die Ecke gebracht hat, bekam 4 Jahre. Lädst du nen Song von Michael Jackson hoch, bekommst du 5.

 
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